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Antiken-Ausstellung in Trier : Wer Rom liebt, muss nach Trier fahren!

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Im Krieg zerstört, danach verschandelt: Deutschlands älteste Stadt hat keinen guten Ruf. Doch wer jetzt die neue große Ausstellung im Rheinischen Landesmuseum besucht, erlebt ein Wunder.

          Wir Deutschen sind sonderbar. Zum Beispiel waren die meisten von uns mindestens einmal in Rom oder Verona und haben sich am Tiber vom Forum Romanum, dem Kolosseum und den Kaiserthermen und an der Etsch vom Amphitheater und der Porta dei Borsari verzaubern lassen. Aber Triers „Porta Nigra“ und seine Konstantinsbasilika kennen wir eher von Briefmarken denn persönlich. Dementsprechend rar ist hierzulande das Wissen, dass Trier zeitweise die zweitgrößte Stadt des westlichen Imperium Romanum gewesen ist - und ähnlich imposante Denkmäler der Antike besitzt wie Rom.

          Einzigartige antikes Erbe und Terra incognita

          In einem Punkt überflügelt Trier sogar die Ewige Stadt: Im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum wird seit 1988 die bemalte Kassettendecke eines spätantiken Festsaals ausgestellt, die in Größe und Qualität nicht ihresgleichen hat. Fünfzehn großformatige Fresken in leuchtenden Farben zeigen schwebende Amoretten und halbfigurige porträtartige Darstellungen reich gekleideter Frauen und Männer. Seit dem Auffinden der ersten Bilder bei einer Grabung im Trierer Dom zwischen 1945 und 1946 - letzte Fragmente wurden 1992 entdeckt und eingefügt -, debattieren Archäologen, ob die Bildnisse reale Personen wie die Kaiserinnen Helena und Faustina oder aber Allegorien von Glück, Wohlstand und Weisheit sind. Doch das diesem einzigartigen antiken Erbe gebührende Aufsehen beim breiten Publikum ist auch 26 Jahre nach Eröffnung des Freskensaals nicht eingetreten.

          Ähnliches gilt für die Trierer Basilika, die um 300 nach Christus erbaute, 67 Meter lange und 27 Meter breite Audienzhalle Kaiser Konstantins. Anders als der gigantische Torso der Maxentius-Basilika in Rom wurde sie rekonstruiert und macht so die Dimensionen eines antiken Weltreichs erlebbar. Doch noch immer dürften mehr Deutsche die Maxentius-Basilika als die Trierer besucht haben. So, wie für viele, die in Roms Caracallathermen standen, Triers antike „Barbarathermen“, deren zyklopische Reste kaum hinter denen den römischen Ruinen zurückstehen, Terra incognita sind.

          Wir träumen von Rom - und übersehen Trier. Auch das dürfte eine Rolle gespielt haben, als Marcus Reuter, der Direktor des Rheinischen Landesmuseums, seiner Ausstellung über „Stadtleben im römischen Deutschland“ den Haupttitel „Ein Traum von Rom“ gab. Die zentrale Botschaft aber und das Leitmotiv aller Abteilungen ist die Tatsache, dass jede Stadt in jeder Provinz des Imperiums, vom kleinsten Marktflecken bis zur Metropole, sich einst Rom zum Vorbild nahm.

          Kaiserresidenz auf Weltstadtniveau

          Folgerichtig empfängt ein beeindruckend großes Modell des Kolosseums, das schon in der Antike zu einem Wahrzeichen Roms geworden war, die Besucher. Gleich darauf wird man auf den Boden der Provinztatsachen zurückgeholt: Als „Türsteher“ wartet die unterlebensgroße, etwas grob gemeißelte Skulptur eines bis auf den sorgsam geschlungenen Mantel und reichgeschmückte Stiefeletten nackten jungen Mannes am Eingang der ersten Abteilung. Seine hohe Krone, die eine Stadtmauer mit Türmen nachzeichnet, weist ihn als Genius, als Schutzgeist der Stadt aus. Die Figur stammt aus dem heutigen Bad Wimpfen, damals ein römischer Flecken. Sie vertritt Triers Genius, von dem bisher noch keine Darstellung gefunden wurde.

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