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Antike Skulpturen in Dresden : Gipfeltreffen der Götter

Dresden belebt einen Schatz: Nach über hundert Jahren kehren die antiken Skulpturen im Rahmen der Sonderausstellung „Verwandelte Götter“ ins Japanische Palais zurück. Ergänzt werden sie durch erlesene Stücke aus dem Prado.

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          Auf dem Neustädter Ufer der Elbe, gegenüber dem historischen Zentrum von Dresden, liegt ein schlafender Riese: das Japanische Palais. Es ist eines der bedeutendsten Gebäude der Stadt, unter August dem Starken 1723 als optischer Bezugspunkt der neuerrichteten barocken Königsstadt begonnen, doch vor dessen Tod 1733 nicht mehr vollendet. Die Porzellansammlung, Lieblingsobjekt des prunksüchtigsten aller deutschen Fürsten, hätte hier unterkommen sollen; der Bau, der eigentlich als „Holländisches Palais“ firmierte, wurde deshalb mit vielerlei Bezügen zum Fernen Osten ausgestattet.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Unter Augusts Sohn Friedrich August wurde das Palais fertig, doch war es nur noch selten Mittelpunkt der höfischen Feiern, und auch die Porzellansammlung wanderte in den Zwinger ab. Fortan diente das Gebäude als Bibliothek und Museum. 1786 zog dort die gleichfalls unter August dem Starken begründete Antikensammlung ein, für die 1835 kein Geringerer als Gottfried Semper die Säle des Erdgeschosses im pompeianisch-polychromen Stil ausmalte. Doch die wachsende kurfürstliche Bibliothek verdrängte die Skulpturen 1890 wieder. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Japanische Palais schwer zerstört und danach zwar äußerlich wiederhergestellt, im Inneren aber nur notdürftig ausgestattet. Von der einstigen Pracht blieb kaum etwas übrig.

          Die alte Pracht

          So sind denn auch heute im zur Elbe hin gelegenen Flügel des riesigen Palais die Wände mit dunkelbraunen Samtbahnen behängt, um die hässlich tapezierten Wände und freiliegende Elektroleitungen aus DDR-Zeiten zu kaschieren. Das sollen die legendären Semper-Säle sein, in denen eine der wichtigsten europäischen Antikensammlungen aufgestellt war? Doch vor den schweren Textilfluten stehen die strahlend weißen Akteure der aktuellen Sonderausstellung „Verwandelte Götter“ - die Dresdner Antiken sind nach hundertneunzehn Jahren zurückgekehrt ins Japanische Palais, und sie haben Kollegen mitgebracht: fünfzehn erlesene römische Skulpturen aus dem Prado.

          Das ist eine doppelte, nein dreifache Sensation. Erst einmal ist die Dresdner Antikensamlung seit drei Jahren gar nicht mehr zu sehen gewesen, weil das Albertinum umgebaut wird und das künftige Domizil, der linke Erdgeschossflügel der Sempergalerie am Zwinger, noch von der Rüstkammer belegt ist, die 2011 ins wieder aufgebaute Residenzschloss umziehen soll. Das Ensemble der Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden, dieser weltweit einmaligen Schatzkammer, ist seit Jahren in Umgestaltung begriffen, um die alte Pracht wiederzugewinnen und neu zu inszenieren. Deshalb muss man oft lange auf vielgeliebte Meisterwerke verzichten, so auch auf die Dresdner Skulpturen.

          Jetzt aber hat man sie endlich wieder einmal vor Augen und dazu in vielen Fällen frisch restauriert: den Dresdner Zeus, die Athena Lemnia, den Dresdner Knaben, die tanzende Mänade und natürlich die berühmtesten von allen, die drei Herculanerinnen, vor denen Winckelmann 1755 seine ersten ästhetischen Erfahrungen mit der Antike machte - um danach die Kunstgeschichte auf einen völlig neuen Weg zu führen.

          Auf Jahrzehnte ein einmaliges Ereignis

          Im Japanischen Palais erinnert eine antikisierende Wandtafel an dieses Ereignis, doch das Gebäude selbst gehört gar nicht zu den Staatlichen Kunstsammlungen; die „Verwandelten Götter“ sind hier genauso nur zu Gast, wie es im kommenden Jahr die große Jubläumsausstellung zum dreihundertsten Geburtstag des Meissener Porzellans sein wird. Doch beide Schauen dürfen als Probeläufe dafür gelten, was man mit dem bislang vernachlässigten architektonischen Kleinod in schönster Lage machen könnte. Und die Blickachsen, die in dieser Antikenausstellung geschaffen werden, lassen diesbezüglich das Schönste vermuten. Wie würden diese barocken Raumfluchten erst wirken, wenn sie renoviert oder gar restauriert wären? Das Potential des Palais als Ausstellungshaus - das ist die zweite Sensation dieser Schau.

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