https://www.faz.net/-gqz-8oday

Amsterdamer Gerichtsentscheid : Krim-Schatz kehrt nicht auf die Krim zurück

  • Aktualisiert am

Teile des Schatzes, wie sie im Sommer 2014 in der Ausstellung „Die Krim: Gold und Geheimnisse des Schwarzen Meeres“ im Amsterdamer Allard Pierson Museum zu sehen waren Bild: 20140821

Als Russland 2014 die Krim annektierte, wurde ein auf der Halbinsel gefundener Goldschatz gerade in Amsterdam ausgestellt. Jetzt hat ein Gericht entschieden, ob er nach Russland oder in die Ukraine zurückkehren soll.

          Ein rund zweitausend Jahre alter Goldschatz aus vier Museen auf der Krim gehört nach der Annexion der Krim durch Russland vom März 2014 der Ukraine. Dies hat ein Richter in Amsterdam an diesem Mittwoch entschieden. Die wertvollen Kunstwerke, die zum Zeitpunkt der Annexion im Allard Pierson Archäologiemuseum der Universität Amsterdam ausgestellt wurden, müssten an den Staat zurückgegeben werden, der sie ausgeliehen habe. Dies sei die Ukraine.

          Die Rückgabeforderung durch die vier Museen auf der Krim wurde abgewiesen, weil die Krim nicht als souveräner Staat zu betrachten sei. Das Gericht ordnete an, die teuren Kunstwerke drei weitere Monate an einem geheimen Ort in den Niederlanden aufzubewahren, weil damit zu rechnen sei, dass gegen das Urteil Berufung eingelegt werde. Bis zu einer endgültigen Entscheidung könnten nach Ansicht von Experten bis zu fünf Jahre vergehen.

          Ein Schatz mit mehreren hundert Einzelstücken

          Die Kulturministerin der Halbinsel, Arina Nowoselskaja, nannte das Urteil politisch motiviert und nicht gesetzeskonform. Auch die Direktorin der Krim-Museen, Tatjana Umrichina, ließ keinen Zweifel an einem Berufungsantrag. Das Urteil widerspreche der weltweiten Praxis beim Verleih von Kunstwerken und sei „eine Schande für das holländische Gerichtssystem“. Das Kulturministerium in Moskau sprach von einem „äußerst negativen Präzedenzfall“. Die ukrainische Vizekulturministerin Swetlana Fomenko sagte hingegen: „Wir sind sehr zufrieden.“

          Der mehrere hundert Stücke umfassende Schatz war von Februar bis August 2014 in Amsterdam unter dem Titel „Die Krim: Gold und Geheimnisse des Schwarzen Meeres“ ausgestellt worden: Zu den Prunkstücken gehört ein 2400 Jahre alter Prunkhelm des Reitervolks der Skythen ebenso wie 2000 Jahre alte chinesische Lackkästchen der Han-Dynasie, filigrane Broschen und eine goldene Schwert-Scheide.

          111.000 Euro Lagerungs- und Versicherungskosten

          Das Museum hatte die Rückgabe aufgeschoben, weil es sich nicht klar darüber war, wer nach der Abtrennung der Krim von der Ukraine durch Russland der rechtmäßige Eigentümer sei. Das Gericht entschied, die Rückführung müsse gemäß dem Unesco-Vertrag in das Land erfolgen, von dem die Kunstwerke geliehen worden seien. Dies sei die Ukraine.

          Deswegen müsse auch die Forderung der vier Museen auf der Krim zurückgewiesen werden. Diese hatten argumentiert, die Schätze seien ihr Eigentum gewesen - und sie seien schon Teil des kulturellen Erbes der Krim gewesen, als es die Ukraine überhaupt noch nicht gegeben habe.

          Die Ukraine muss dem Urteil zufolge 111.000 Euro zahlen, um für Lagerungs- und Versicherungskosten des Archäologiemuseums aufzukommen.

          Weitere Themen

          CDU benutzte ungefragt Videomaterial von ARD und ZDF

          Auf Youtube : CDU benutzte ungefragt Videomaterial von ARD und ZDF

          Auf ihren Youtube-Kanal warb die CDU mit Videos ihrer Politiker aus Talkshow-Auftritten in den öffentlichen Kanälen. Abgesprochen hatte sie das nicht – und damit offenbar gegen Urheberrecht verstoßen. Aufgefallen ist das einem Satiriker und Politiker.

          Daniel Craig hat Unfall bei Bond-Dreharbeiten Video-Seite öffnen

          007 am Knöchel verletzt : Daniel Craig hat Unfall bei Bond-Dreharbeiten

          Auch bei Superagenten geht mal ein Stunt daneben. Der britische Schauspieler Daniel Craig musste das am eigenen Leib erfahren. Der Brite wird nun nach einem Unfall bei den Dreharbeiten zum neuesten James Bond-Film am Fuß operiert.

          Mit Visionen gegen Dystopien

          Zukunftstechnologien : Mit Visionen gegen Dystopien

          Die Zukunft hält für uns derzeit vielfältige Drohszenarien bereit – aber das ist kein Grund, sich in Vergangenheit zu flüchten. Das Potential mutigen Denkens zeigt allein die Debatte um allgemeine KI.

          Ist Banksy in Venedig? Video-Seite öffnen

          Rätselhaftes Video : Ist Banksy in Venedig?

          Auf Instagram kündigte der Streetart-Künstler, dessen Identität geheim bleibt, an, mit einem eigenen Stand auf der Biennale in Venedig vertreten zu sein. Die Kunstschau in Venedig zählt zu den größten Weltweit

          Haben Männer Hüften?

          Midlife-Crisis-Komödie im ZDF : Haben Männer Hüften?

          Midlife-Crisis ist was für Machos? In „Hüftkreisen mit Nancy“ versucht ein arbeitslos gewordener Journalist und Vater mit Beckenbodenbewegungen dem Schicksal des modernen Mannes zu entgehen.

          Topmeldungen

          Zukunftstechnologien : Mit Visionen gegen Dystopien

          Die Zukunft hält für uns derzeit vielfältige Drohszenarien bereit – aber das ist kein Grund, sich in Vergangenheit zu flüchten. Das Potential mutigen Denkens zeigt allein die Debatte um allgemeine KI.

          „Die Zerstörung der CDU“ : Das Rezo-Video im Faktencheck

          Klima, Wohlstand, Krieg und Protestkultur: Eine zornige Abrechnung wird zum Internethit. Was hält einer genaueren Betrachtung stand? Eine kritische Perspektive auf die vier zentralen Themen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.