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Plagiatsvorwurf gegen Koons : Alles nur geklaut?

  • -Aktualisiert am

Dem Kunst-Tycoon Jeff Koons wird in zwei Fällen Plagiat vorgeworfen. Es ist nicht das erste Mal, dass Koons sich aus Vorlagen der Popkultur bedient. Die Gerichte müssen den Vorwurf nun prüfen.

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          In Frankreich wird das Werk von Jeff Koons nicht zum ersten Mal ausgestellt. Bei der aktuellen Schau im Pariser Centre Pompidou handelt es sich aber um die erste umfassende Retrospektive, noch dazu in einem öffentlichen Museum. Immerhin zwei Franzosen scheint nachhaltig verblüfft zu haben, was sie in der Ausstellung sahen: Mitte Dezember meldete sich zuerst Franck Davidovici, ein Werber, der 1985 für die Modekette Naf Naf eine Anzeige entwarf. Er beschuldigte Koons des Plagiats und kündigte weitere „juristische Schritte an“.

          Davidovicis Fotografie zeigt ein Ferkel, das ein Schnapsfass um den Hals trägt und dieses zu einer Frau trägt, die anscheinend von einer Lawine überrollt wurde. Koons’ Porzellanskulptur von 1988 gleicht diesem Ensemble in vielen Details, sie trägt zudem mit „Fait d’Hiver“ den identischen Titel. Die Skulptur wurde aus der Ausstellung entfernt.

          Ende Dezember wurde nun der zweite Plagiatsvorwurf öffentlich: Die Witwe des Fotografen Jean-François Bauret wirft Koons vor, die Idee für seine Skulptur „Naked“ einer Aufnahme ihres vor einem Jahr verstorbenen Mannes entnommen zu haben. Auf der Fotografie sind zwei unbekleidete Kinder zu sehen, die sich an den Händen halten. Koons zeigt in seiner Skulptur ebenfalls einen Jungen und ein Mädchen in einer ähnlichen Pose.

          Dass Koons sich bei Vorlagen aus der Populärkultur bedient, ist kein Geheimnis. Ob und wann dabei Urheberrechte verletzt werden, müssen nun Juristen feststellen. Die Rechtsstreitigkeiten könnten sich über Jahre hinziehen. In den Vereinigten Staaten scheiterte ein französischer Fotograf in zweiter Instanz im Jahr 2013 mit einer Klage gegen den amerikanischen Künstler Richard Prince: Patrick Cariou warf Prince vor, in der Werkserie „Canal Zone“ Vorlagen aus seinem Buch „Yes Rasta“ verwendet zu haben. Das Berufungsgericht sah darin jedoch keine Verletzung des Copyrights. Jeff Koons hat sich bisher zu den Anschuldigungen nicht geäußert.

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