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100 Jahre Konrad Zuse : Der Computerpionier als Künstler

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Entweder es klemmte etwas, oder die Rechner waren noch nicht so weit: Das Deutsche Museum in München feiert den hundertsten Geburtstag des Erfinders Konrad Zuse. Die Vorführung des Urcomputers sollte man sich nicht entgehen lassen.

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          Konrad Zuse gilt als einer der Erfinder des Computers und als Schöpfer der ersten höheren Programmiersprache.“ So hatte es die Presseabteilung des Deutschen Museums sehr vorsichtig formuliert. Mir kam das etwas ängstlich vor; ein wenig selbstbewusster könnte sich eine so herausragende Institution schon geben. Wenn die es nicht wissen, wer denn sonst? Konrad Zuse, der 1995 starb, wäre heute hundert Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass wurde die Sonderausstellung „100 Jahre Konrad Zuse – Einblicke in den Nachlass“ eröffnet. Den Nachlass hat man im Jahr 2005 bekommen, und er hat sich als ein rechtes Danaergeschenk entpuppt. Je länger man ihn studiert, desto mehr Fragen sind offen. Andererseits lebt die Wissenschaft ja von der Herausforderung. Schwierigkeiten sind dazu da, überwunden zu werden. An dieses Prinzip hat sich Zuse immer gehalten.

          Die Ausstellungseröffnung war mit einem umfangreichen Rahmenprogramm verknüpft. Es dauerte viele Stunden, aber am Ende verstand ich doch, warum der zitierte Satz so unverbindlich formuliert ist. Ich fühlte mich wie Paulus. „Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse.“ Ich habe nun eine konsistente Vorstellung von Zuse, aber das Bild ist unscharf. Dieses Bild versuche ich zu beschreiben. Dabei vermische ich das Festkolloquium im vornehmen Ehrensaal, die Ausstellung, den Katalog und die Dauerausstellung Informatik.

          Zuse im Zweiten Weltkrieg

          Gleich am Anfang möchte ich etwas abarbeiten, was die Sensationspresse natürlich besonders interessiert hat. War Zuse in die Verbrechen des Nationalsozialismus verstrickt? Er arbeitete in der Rüstungsindustrie am Bombenbau mit. Er versuchte, seine Computer als Hilfsmittel zur „systematischen Rassenforschung“ zu verkaufen. Mit dem Ausgang des Kriegs war er zeitlebens unzufrieden. Parteimitglied war er nicht, wohl aber gute Freunde und nahe Verwandte. Er verehrte den Geschichtsphilosophen Oswald Spengler. So war es. Wer will, darf die Steine auf ihn werfen, die er verdient hat, aber es gibt auch anderes zu berichten.

          Zuse war ein hochbegabter Jugendlicher. Diese Begabung äußerte sich aber am meisten im Bereich der Kunst. Am Ende der Untersekunda hatte er im Freihandzeichnen ein „sehr gut“ und in Mathematik nur ein „gut“. Seine künstlerische Betätigung schlief immer wieder einmal ein und erwachte erst dann neu, wenn er nichts Dringenderes zu tun hatte. Die Zeichnungen und Gemälde waren voll von futuristischen Ideen. Als Zuse in der Mitte der sechziger Jahre seine Firma aufgeben musste, begann er ein letztes Mal zu malen, technophile Farborgien mit Titeln wie „Wachstum“ oder „Hoffnung“. Sein Pseudonym war „Kuno See“. Andreas Strobl von der Staatlichen Graphischen Sammlung München brachte den jungen Zuse mit Künstlern wie Tschichold, Kandinsky und Feininger in Verbindung, dem späten Zuse gestand er keine besondere Aktualität mehr zu.

          Statik war ihm zu langweilig

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