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Zwei Meisterwerke : Was aber bleibt, sind Madonnen

  • -Aktualisiert am

Maria und Jesus, ein Engel und Johannes der Täufer von Sandro Botticelli und Werkstatt, geschätzt auf 250.000 bis 300.000 Euro Bild: Van Ham

Drei Jahre lang lagen zwei Tondi in ihren prächtigen Rahmen im dunklen Tresorraum des Auktionshauses Van Ham im Kölner Süden. Sie standen im Zentrum eines Streits: Die ganze Geschichte zwischen Zuschreibung und Restitutionsanspruch.

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          Drei Jahre lang lagen die beiden Tondi in ihren prächtigen Rahmen im dunklen Tresorraum des Auktionshauses Van Ham im Kölner Süden. Gelegentlich nur kamen Experten, um sich die beiden Bilder anzusehen oder sie naturwissenschaftlichen Untersuchungen zu unterziehen. Nun endlich dürfen die beiden mehr als fünfhundert Jahre alten Holztafeln zurück ans Tageslicht. Wenn Van Ham nach der Sommerpause sein neues Gebäude an der Hitzelerstraße eröffnet, werden sie in der hellen Empfangshalle hängen - als Vorboten der Altmeisterauktion am 14. November.

          Seit durchgesickert ist, dass die Rundbilder in Köln aufgerufen werden, steht das Telefon nicht still. Ausführliche Untersuchungen in den vergangenen Monaten haben nämlich ergeben, dass sich die Tondi zwei der wichtigsten Werkstätten der Renaissance zuschreiben lassen: das eine mit Maria und Jesus, einem Engel und Johannes dem Täufer der von Sandro Botticelli und das andere mit Maria und Jesus und den Heiligen Franziskus und Hieronymus der von Filippino Lippi. Maßgebliche Experten wie Keith Christiansen vom Metropolitan Museum of Art in New York, sein Vorgänger Everett Fahy, der heute für Christie’s arbeitet, und der Leipziger Renaissance-Experte Frank Zöllner haben die Zuschreibungen an die Maler und ihre Werkstätten bestätigt. Die Materialanalysen ergaben zudem die Verwendung von etwa einer Anhydrit-Gips-Grundierung und Pigmenten, die Ende des 15. Jahrhunderts in Italien und konkret in der Toskana üblich waren. Das Holz der Bildträger stammt laut dendrochronologischen Untersuchungen ebenfalls aus dieser Zeit.

          Lempertz versteigerte die Bilder 1943

          Alle Probleme waren mit diesen kunsthistorischen und -technologischen Expertisen allerdings keineswegs gelöst. Beide Bilder nämlich haben eine Restitutionsgeschichte, die Van-Ham-Inhaber Markus Eisenbeis in den vergangenen drei Jahren mit viel Geduld und externer Unterstützung durch den Rechercheur Nicholas Randall untersuchen ließ und für die er in langwierigen Verhandlungen mit den aktuellen Besitzern eine Lösung finden musste. Im Jahr 1943 nämlich waren beide Bilder schon einmal in Köln versteigert worden - im Auktionshaus Lempertz am Neumarkt. Die Auktion 420 vom 2. und 3. Juni 1943 zählte zu einer ganzen Reihe von Versteigerungen, bei denen auch Kunst aus ehemals jüdischem Besitz unter den Hammer kam - häufig ohne Zustimmung und Wissen ihrer ehemaligen Besitzer. Am 2. Juni 1943 wurden auch die beiden Werke aufgerufen, die nun erneut den Besitzer wechseln sollen: Losnummer 7, damals als „Schule Sandro Botticelli“ und Losnummer 40, damals als „Filippino Lippi zugeschrieben“. Käufer war der Pharmaunternehmer B. aus dem Siegerland mit Wohnsitz in Köln.

          Maria und Jesus mit den Heiligen Franziskus und Hieronymus von Filippino Lippi und Werkstatt, geschätzt auf 30.000 bis 50.000 Euro
          Maria und Jesus mit den Heiligen Franziskus und Hieronymus von Filippino Lippi und Werkstatt, geschätzt auf 30.000 bis 50.000 Euro : Bild: Van Ham

          Die Geschichte der beiden Werke konnte er kaum kennen: Einlieferer war eine Bank, die im Lempertz-Katalog nur mit den Buchstaben „La“ abgekürzt wurde. Der Katalog wies auch nicht darauf hin, dass sich beide Bilder ursprünglich in jüdischem Besitz befunden hatten. Sie stammten aus der Sammlung des Kunsthändlers Leonardus Salomon, der sich 1911 in „Léo Nardus“ umbenannt hatte. Als er sich 1921 entschloss, nach Tunesien zu ziehen, vertraute der Dreiundfünfzigjährige seine Kunstsammlung, um sie vor dem Klima Nordafrikas zu schützen, dem befreundeten Sammer Arnold van Buuren an.

          Sieben Jahre später vereinbarten beide gemeinsames Eigentum an den Werken und das Recht, dass beide davon verkaufen durften und die Erlöse geteilt wurden. Im September 1940, vier Monate nach dem deutschen Überfall auf die Niederlande, verlangten die deutschen Besatzer von van Buuren eine Aufstellung seines Besitzes - sein Vater war Jude. Aus der Liste mit dem Titel „Kollektion van Buuren/Nardus“ geht hervor, dass sich die beiden Madonnenbilder zu diesem Zeitpunkt noch in Van Buurens Haus in Haarlem befanden. Bald darauf allerdings wurden sie und Dutzende weiterer Bilder durch die „Deutsche Revisions- und Treuhand A. G.“ als „feindliches Vermögen“ konfisziert und an die Bank Lippmann, Rosenthal & Co. (LiRo) überstellt. Die Bank mit dem jüdisch klingenden Namen hatten die Nationalsozialisten in der Amsterdamer Sarphatistraat eigens gegründet, um das Vermögen geplünderter jüdischer Familien und Unternehmen in den Niederlanden zu Geld zu machen.

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