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Kathedrale von Burgos wird 800 : Das paneuropäische Gotteshaus

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Als wäre es eine Vision von Schinkel: Blick auf die sich zur Westfassade hin immer höher auftürmende Kathedrale von Burgos. Bild: Sarah Weiselowski

Gebaut für eine Schwäbin in französischen Formen, in Teilen ausgestattet vom Atelier des Naumburger Meisters und vollendet von einem Kölner Baumeister: Die Kathedrale von Burgos wird heute achthundert Jahre alt.

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          Eine Schatzkammer der europäischen Kunst wird achthundert: Am 20. Juli 1221 wurde der Grundstein der Kathedrale von Burgos gelegt. Wer auf dem Jakobsweg durch Nordspanien reist, stößt in der Hauptstadt Altkastiliens auf eine steil am Hang errichtete Bischofskirche, deren spektakuläre viertürmige Silhouette an Schinkels romantische Gotikvisionen denken lässt. Die westliche Doppelturmfront und die zwei Fassaden des weit ausladenden Querhauses verstärken mit ihren statuenbesetzten Maßwerkgalerien den Eindruck eines gotischen Idealbaus. Betritt man jedoch die Kathedrale, so kann man angesichts einer Fülle von Kapellenan- und Choreinbauten, Altarretabeln und Grabmälern, Bildwerken und Dekor aller Art den Kernbau des dreizehnten Jahrhunderts kaum noch wahrnehmen. Während Besucher aus anderen europäischen Ländern zumeist stilreine musealisierte Kirchenräume gewöhnt sind, stoßen sie in Burgos auf eine Kathedrale, deren labyrinthisches Innenraumgewebe die gesamte achthundertjährige Geschichte des Bauwerks verkörpert – und im Gesamteindruck unverwechselbar spanisch wirkt. Andererseits: kaum ein anderes Bauwerk visualisiert die Einbindung der spanischen in die europäische Geschichte im gleichen Maß wie die Kathedrale von Burgos.

          Dies wird schon bei der Grundsteinlegung des Jahres 1221 deutlich, die von Bischof Mauricio von Burgos und dem kastilischen König Ferdinand II. gemeinsam vollzogen wurde: Zwei Jahre zuvor war Mauricio im Auftrag Ferdinands nach Deutschland gereist, um Beatrix von Schwaben, eine Enkelin Friedrich Barbarossas, als Braut des Königs nach Spanien zu geleiten. Diese die Allianz zwischen Kastilien und der kaiserlichen Dynastie der Hohenstaufen besiegelnde Hochzeit fand am 30. November 1219 in der alten romanischen Kathedrale von Burgos statt. Es ist naheliegend, dass die Kirche für Zeremonien von europäischem Format keinen angemessenen Rahmen mehr bot und so der dringende Wunsch nach einer neuen Kathedrale in den damals neuesten Formen der französischen Gotik aufkam.

          Als ein spanischer König deutscher Kaiser werden wollte

          Welcher Aufwand in Burgos betrieben wurde, lässt sich daran ermessen, dass für die Planung und Ausführung des Bauwerks und der Portalskulpturen Werkleute aus verschiedenen französischen Regionen angeworben wurden: Während die Pfeiler- und Wandgestaltungen, besonders die aufwendigen Triforien, das Vorbild der Kathedrale von Bourges verraten, wurde das Südportal um 1235 von Bildhauern aus Amiens geschaffen.

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