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Ausstellung zu Kunst und Meer : Zwei Drittel der Welt als Reich der Fantasie

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Sehnsucht nach dem Nass: Die Ausstellung „La Mer imaginaire“ der Fondation Carmignac auf der Insel Porquerolles zeigt, wie sich die Kunst vom Meer inspirieren lässt. Als Besucher taucht man ein in einen der größten Lebensräume der Welt.

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          Es gibt Titel, die man nicht übersetzen mag, weil sonst ihr poetischer Wortklang verloren ginge. Die Ausstellung „La Mer imaginaire“ taucht unter die wellenschäumende Projektionsfläche, die einst William Turner dramatisch malte oder Caspar David Friedrich mit romantischer Melancholie besetzte, und befasst sich mit dem Blick der Künstler in einen erstaunlich unbekannten Lebensraum. Je weniger wir von der Welt unter dem Meeresspiegel und ihren Bewohnern wissen, desto mehr beflügeln sie die Imagination: „La mer imaginaire“ ist ein mysteriöses oder von eigenartigen Kreaturen belebtes Reich der Vorstellungskraft.

          Hier strandet ein stofftierähnlicher „Killerwal mit langen Wimpern“ von Cosima von Bonin auf einer viel zu kleinen Schulbank und Gabriel Orozcos fantastische Wesen zwischen Fisch und Vogel aus hellgelbem Kunstharz schweben vor dem blaugrundigen Wandteppich „Polynesien, der Himmel“ von Henri Matisse. In der realen Welt stellen die Ozeane erstaunliche 97 Prozent des bewohnbaren Lebensraumes auf der Erde. Von ihren abyssalen Tiefen – bis zu elf Kilometer – wissen wir weniger als von der Oberfläche auf dem Mars. Neunzig Prozent der Meeresgründe, ihrer Fauna und Flora, sind noch immer unerforscht.

          Die Fondation Carmignac auf der kleinen, unter Naturschutz stehenden Mittelmeerinsel Porquerolles ist ein idealer Ort, um das Imaginäre unter der Meeresoberfläche künstlerisch zu erkunden. Schon die Anreise, wenn man vom Hafen beim Städtchen Hyères ablegt und fünfzehn Minuten über sanfte Wellen schippert, stimmt auf eine Odyssee ein. Seit der Eröffnung vor vier Jahren organisiert die Unternehmensstiftung in jeder Saison eine thematische Ausstellung, die auf den Fundus der eigenen Kunstsammlung zurückgreift und durch Leihgaben und Auftragswerke ergänzt wird.

          Alex Olson-Ether, 2017, Öl und falsche Perlen auf Leinwand
          Alex Olson-Ether, 2017, Öl und falsche Perlen auf Leinwand : Bild: Alex Olson-Ether/Altman Siegel, San Francisco/Phillip Bond

          Mit Fotos des französischen Unterwasserfotografen Nicolas Floc’h bespielt die Fondation Carmignac in diesem Jahr auch einen neu restaurierten Saal in der Befestigungsanlage Sainte-Agathe, oberhalb des Inseldorfes. Floc’h hat für seine jüngste Serie den Seegrund um Porquerolles sondiert. Als Apnoetaucher findet er seine Motive in relativ leicht erreichbaren Gewässertiefen. Gerade durch die Tatsache, dass er in Schwarz-Weiß fotografiert, haben seine Bilder von Felslandschaften und glitzernd aufsteigenden Luftbläschen oder sich in der Strömung wiegenden Seegräsern nichts Exotisches, sondern eine graphische Schönheit. In einer überraschenden Umkehrung erscheint diese reale Meerlandschaft wie eine unbekannte, mysteriöse Welt.

          Porquerolles ist eine dünn besiedelte Idylle mit Eintagestourismus, auf der man sich vom einzigen Dorf aus zu Fuß oder mit Fahrrädern fortbewegt. Der Weg zur Kunststiftung mit ihrem sich jedes Jahr vergrößernden und mittlerweile herrlich eingewachsenen Skulpturenpark führt durch ein duftendes Pinienwäldchen.

          Weil auf der Insel Baustopp herrscht, wurden die Ausstellungsräume als Souterrain unter eine schon bestehende Villa in den Hügel gegraben. Das Oberlicht fällt in der Mitte der kreuz­förmig angelegten Räume durch einen großen Flachbrunnen mit Glasboden ein. Wenn der Wind oben im Becken das Wasser kräuselt, flimmern unten in den Sälen Lichtspiegelungen über Boden und Wände. Es hat etwas Subaquatisches. Bruce Naumans monumentale, in situ installierte „One hundred fish fountain“ liefert mit ihrem ohrenbetäubenden ­Wasserfall-Sound die entsprechende Geräuschkulisse.

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