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Illustrator Volker Pfüller : Er machte Schule, in Leipzig und anderswo

Volker Pfüller, geboren 1939 in Leipzig, gestorben 2020 in Rudolstadt Bild: dpa

Volker Pfüller war nicht nur einer der wichtigsten Plakat- und Buchillustratoren der DDR, sondern auch nach 1989 ein Lehrer, der in jeder Hinsicht Schule machte. Jetzt ist er mit 81 Jahren in Rudolstadt gestorben.

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          Es mag zehn Jahre her sein, da fand in dem kleinen Städtchen Oberursel bei Frankfurt ein privates Gipfeltreffen der europäischen Illustration statt. Dazu genügten zwei Zeichner: Jiří Šalamoun aus Prag und Volker Pfüller aus Berlin. Sie beide trafen sich in der Galerie von Gerd Streitenfeld, einem der wenigen Orte hierzulande, die sich dieser Kunst verschrieben haben. Beide Künstler kannten sich seit einem halben Jahrhundert, denn Šalamoun und Pfüller studierten jeweils Ende der fünfziger Jahre Illustration in der DDR: der Tscheche zwar in Pfüllers Heimatstadt Leipzig, die dieser aber fürs Studium in Berlin-Schönweide und Berlin-Weißensee verlassen hatte. Trotzdem konnten sie einander in der familiären ostdeutschen Zeichnerszene gar nicht verfehlen, und Šalamoun brachte dem vier Jahre jüngeren Deutschen die grafischen Traditionen seiner böhmischen Heimat nahe – samt deren Witz und Ironie. Die prägten Pfüllers Werk wie kein Einfluss sonst, und das vergaß er Šalamoun nie. Beide stiegen zu den bedeutendsten Buch- und Plakatillustratoren ihrer jeweiligen Länder auf und machten als Lehrer Schule. Wieder pflegten sie dabei intensiven Austausch miteinander – zum Wohle der Studenten.

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Zu den Künstlern, die Pfüller ausbildete, zählen die wichtigsten derzeit aktiven deutschen Illustratoren: sein heutiger Nachfolger auf dem Leipziger Lehrstuhl, Thomas M. Müller, Henning Wagenbreth, Professor an der Universität der Künste Berlin, und Anke Feuchtenberger, Professorin an der HAW Hamburg. Dazu kommen mit Christoph Feist, Franziska Neubert, Atak oder Katrin Stangl erfolgreiche Buchillustratoren. Aber keiner von ihnen hat die Breite des Ausdrucks von Pfüller, keiner dessen Lässigkeit der Linie, die von abstraktester Stilisierung bis zu expressionistischem Überschwang alle grafhischen Techniken der Moderne beherrscht, natürlich auch drucktechnisch verstanden – Pfüller hat in den letzten Jahren vor allem beim Leipziger Handpressenverlag Lubok eine Serie von originalgrafischen Büchern publiziert, die beispiellos in ihrer Plakativität sind.

          Die Kunst des Porträtisten: Eine Doppelseite aus Volker Pfüllers 2008 beim Leipziger Lubok-Verlag erschienenen Linolschnittband „Köpfe“.
          Die Kunst des Porträtisten: Eine Doppelseite aus Volker Pfüllers 2008 beim Leipziger Lubok-Verlag erschienenen Linolschnittband „Köpfe“. : Bild: Lubok Verlag

          Im Rahmen von Armin Abmeiers legendärer Serie der „Tollen Hefte“ illustrierte er gleich das erste, eine Kriminalgeschichte von Walter Serner, und danach folgten noch zwei weitere, aber vor allem etliche seiner Schüler. Als Pfüller im vergangenen Jahr den Deutschen Jugendliteraturpreis für sein Lebenswerk als Bilderbuchzeichner erhielt, war das der überfällige Lohn für eine jahrzehntelange Arbeit im Dienst der wichtigsten Leser von allen: der Kinder. Pfüller verstand es, ihre Phantasie anzustacheln, ohne Abstriche an Anspielungsreichtum und Humor zu machen.

          Aber seine ganz große Liebe gehörte dem Theater: als Bühnenbildner und Plakatmaler. Noch wenige Tage vor seinem Tod hatte die letzte von ihm ausgestattete Inszenierung in Rudolstadt Premiere. Da war er nicht mehr selbst im Theater, aber so nahe daran, wie es ihm noch möglich war. Nun ist Volker Pfüller mit 81 Jahren in Rudolstadt gestorben.

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