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Luigi Colani : Gut ist, was schnell ist und keine Ecken hat

Inbegriff eines kosmopolitischen Europäers: Luigi Colani Bild: Picture-Alliance

Was er entwarf, musste nicht nur rasant aussehen, sondern auch Probleme lösen: Zum Tod des Designers und Öko-Pioniers Luigi Colani.

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          Zum Beispiel die Lastwagen, die er entwarf: Die sahen nicht aus wie die Kisten, die heute noch über unsere Autobahnen rollen. Sie sahen überhaupt nicht nach Lastwagen aus, eher wie Raumschiffe oder elegante Raketen oder wie bizarrschöne Unterwasserkreaturen, die in einer Welt leben, in der jedes Detail von der Verringerung des Strömungswiderstands und der Ablehnung von Kanten geprägt ist. Es waren aber nicht bloß Skulpturen, die Colani da auf die Straße ließ – seine biofuturistischen Lastwagen waren auch schneller und verbrauchten, wenn man dem Entwerfer glauben durfte, ein Drittel weniger Benzin. Und so gesehen waren sie typisch für Colanis Designbegriff: Die Autos und Flugzeuge, die Möbel, Geschirre, Brillen, Kameras, Fernseher und anderen Dinge, die er entwarf, mussten nicht nur rasant aussehen, sondern auch tatsächlich Probleme lösen.

          Niklas Maak
          Redakteur im Feuilleton.

          Einer seiner erfolgreichsten Entwürfe ist die Spiegelreflexkamera CanonT90 von 1986, mit der eine ergonomisch gestaltete Form zum Standard moderner Kameras wurde. Ein Bierglas zum Beispiel gestaltete er so grifffreundlich, dass es selbst einem Betrunkenen nicht so leicht aus der Hand rutscht. Für haptisches Wohlgefühl opferte Colani auch gern die hehren Proportionsideale des Goldenen Schnitts, was dazu führte, dass mancher seiner Entwürfe eher an eine in Plastik gegossene Version des Faultiers aus „Ice AgeII“ erinnerte als an klassische Schönheiten. Dafür konnten seine Formen etwas anderes – zum Beispiel, im Fall seiner Autos eben, den Verbrauch senken.

          Rekorde an Sparsamkeit

          Zu einer Zeit, in der sich Autodesigner kaum um den Verbrauch kümmerten, bastelte er an den Wagen so lange herum, bis sie Rekorde an Sparsamkeit aufstellten – aus einem Citroen2CV machte Colani ein 1,7-Liter-Sparauto. Was den Designer prägte war sicherlich auch die Entwicklung des Werkstoffs Plastik: Der Kunststoff erlaubte es, die geschwungenen Formen der Natur nachzuahmen und Dinge herzustellen, die aussahen, als habe das Meer sie zusammen mit gerundeten Kieseln und Muscheln an Land geworfen. Colani sprach von „Biodesign“, das nach der effizienzbedingten Kartonform moderner Häuser und Dinge den Menschen wieder seinen natürlichen Bewegungen näherbringen sollte. Das spektakulärste Projekt Colanis ist dabei die neobarocke, nicht realisierte Vision einer ökologisch wegweisenden Wissenschaftsstadt, die er nahe Schanghai in Form eines riesigen Menschenkörpers bauen wollte, mit Parks als grünen Lungen und Blutbahnen als Verkehrswegen. Dabei hatte man schon in seinen frühen Möbelentwürfen, etwa seiner „Kugelküche“, das Gefühl, im Inneren eines großen Körpers zu sein.

          Liegt gut in der Kurve: Designer Luigi Colani demonstriert 1995 in Köln ein Sitzmöbel für seine Wohneinheit „Habitaner“. Bilderstrecke
          Luigi Colani zum 90. : Der Kurvenstar

          Die Turbulenz, die seine Objekte prägt, charakterisiert auch seinen Lebenslauf recht gut: Geboren 1928 in Berlin als Lutz Colani, Sohn eines Schweizer Filmarchitekten mit kurdischen Wurzeln und einer Polin, die als Souffleuse in Max Reinhardts Theater arbeitete, war Colani schon von seiner Herkunft her Inbegriff eines kosmopolitischen Europäers. Von 1946 an schrieb er sich für Bildhauerei und Malerei in Berlin ein, brach das Studium aber schnell ab und ging nach Paris, um Aerodynamik und Ultraleichtbau zu studieren. Danach arbeitete er beim Flugzeughersteller Douglas in der Materialforschung, von 1954 an entwarf er Kunststoffkarosserien für Simca und schließlich auch für Alfa Romeo: Als 1957 ein von ihm karossierter Alfa unter zehn Minuten um die Nordschleife des Nürburgrings raste, benannte er sich in Luigi Colani um.

          Im Designatelier auf Schloss Harkotten in Westfalen, das Colani von 1971 an betrieb, war sein quasi-italienisches Temperament gefürchtet: Er verkrachte sich gern mit mächtigen Auftraggebern – oder wie er es in der ihm eigenen, seinen geschmeidigen Formen leicht entgegenstehenden Ruppigkeit einmal formulierte: „Weil ich Firmen wie Mercedes wegen ihrer rückständigen Formen immer wieder in den Arsch getreten habe, haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, Colani in Deutschland unmöglich zu machen. Und das haben sie auch geschafft.“ In den achtziger Jahren ging Colani nach Asien, arbeitete für Canon, Sony und Mazda und wurde dort noch mehr gefeiert als in seiner Heimat. Zurück in Deutschland, ist der Allesumformer nun im Alter von 91 Jahren gestorben.

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