https://www.faz.net/-gqz-abf0c

Wilhelm Buschs Selbstbildnis : Wilhelm Buschs berühmtestes Selbstbildnis für Hannover erworben

  • -Aktualisiert am

Das jetzt fürs Deutsche Museum für Karikatur und Zeichenkunst angekaufte Selbstbildnis von Wilhelm Busch, gezeichnet 1894 Bild: Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst

Seit 1949 war rätselhaft, wo es geblieben war: Nun ist das bekannteste Selbstbildnis von Wilhelm Busch wieder da - und geht genau ins richtige Museum.

          2 Min.

          Die Ausstellung, die das Wilhelm-Busch-Museum in Hannover 2007 zum hundertsten Todestag seines Namensgebers ausrichtete, trug den Titel „So viel Busch wie nie“. Zahlreiche Selbstporträts konnten damals zusammengetragen werden, doch das berühmteste fehlte: die 1894 entstandene Zeichnung, die Busch im Dreiviertelprofil mit Hut und Zigarette zeigt. Sie war lange das Signet des heute als „Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst Wilhelm Busch“ firmierenden Hauses und dient ihm immer noch als Briefkopf – obwohl sie gar nicht zur Sammlung gehörte. Denn wer diesen Kopf sieht, der weiß sofort: Das ist Wilhelm Busch.

          Das Selbstporträt, so klein es mit fünfzehn Zentimetern Höhe und zehn Zentimetern Breite ist, hat unser aller Bild des großen Bild-Erzählers geprägt. Es prangt auf Buchumschlägen, und es ziert den Wikipedia-Eintrag zu Busch. Dabei war das Original der Zeichnung seit Menschengedenken nicht mehr öffentlich zu sehen. Von dem österreichischen Privatsammler Reinhard Knauer im Jahr 1908 für 150 Reichsmark direkt aus Buschs Nachlass erworben, blieb es kontinuierlich im Besitz derselben Familie, die es letztmalig 1949 zur Verfügung gestellt hatte, um eine Reproduktion im Katalog einer Wiener Wilhelm-Busch-Ausstellung zu ermöglichen. Zuletzt jedoch wusste niemand mehr, wo sich die Zeichnung befand.

          Das jetzt fürs Deutsche Museum für Karikatur und Zeichenkunst angekaufte Selbstbildnis von Wilhelm Busch, gezeichnet 1894
          Das jetzt fürs Deutsche Museum für Karikatur und Zeichenkunst angekaufte Selbstbildnis von Wilhelm Busch, gezeichnet 1894 : Bild: Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst

          Bis sie am 20. Oktober 2020 auf einer Versteigerung des Wiener Auktionshauses Dorotheum angeboten wurde. Mit Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung gelang dem Hannoveraner Museum der Ankauf. Das Bild sei in übertragenem Sinne „heimgekehrt“, sagte die Direktorin Gisela Vetter-Liebenow gestern bei der Vorstellung der Zeichnung. Und Martin Hoernes, der aus München zugeschaltete Generalsekretär der Siemens Kunststiftung, sekundierte: „Das Bild musste nach Hannover.“ Der Auktionspreis von 50300 Euro übertraf die Schätzung um mehr als das Doppelte.

          Was sich am Original alles zeigt

          Auf den zahllosen Reproduktionen seit 1949, die immer auf die seinerzeitige Katalogabbildung zurückgreifen mussten, wurden etliche Linien gegenüber dem Original nachgezogen, besonders bei Hut und Tabakrauch. Die Tusche des bislang nur schwarzweiß gedruckten Originals ist in Wahrheit bräunlich und das Papier getönt, der Kopf im Vergleich mit allen Reproduktionen stärker zum rechten Bildrand hin geneigt, was die Pose lebendiger erscheinen lässt. Wilhelm Busch wusste genau, was er da für ein Bild von sich selbst machte, es handele sich bei der Sepiafederzeichnung um eine „bewusste Inszenierung für die Öffentlichkeit“, so Gisela Vetter-Liebenow.

          Das kleine Werk ist – eine Seltenheit in Buschs zeichnerischem Werk – sowohl signiert als auch datiert: „W.B. 94. s. i. f.“ – Wilhelm Busch 1894, sui ipsius fecit (von ihm selbst gemacht). Es entstand damit als eine seiner letzten Zeichnungen, denn wenig später gab er diese Tätigkeit auf und schrieb fortan nur noch.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Fragen und Antworten : Was macht Delta so gefährlich?

          Wie ansteckend ist die in Indien festgestellte Variante des Coronavirus, was müssen Geimpfte beachten und welche Informationen haben wir über die neueste Mutante „Delta plus“? Die Antworten in Kürze.
          EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (links) mit Kanzlerin Angela Merkel nach ihrem Treffen in Berlin

          Von der Leyen in Berlin : Die gütige Gabenbringerin aus Brüssel

          Ursula von der Leyen kommt aus Europas Hauptstadt nach Berlin. Neben monetären Zusagen in Milliardenhöhe bringt die EU–Kommissionspräsidentin auch noch viele freundliche Worte mit sich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.