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Maler Frédéric Bazille : Ein Initiator der Moderne

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Frédéric Bazille: „Scène d'été', 1869 Bild: Archiv

Kaum hatte er seinen Vater von seinem Weg überzeugt, zerstörte der deutsch-französische Krieg eine vielversprechende Karriere: Vor hundertfünfzig Jahren fiel der Maler Frédéric Bazille auf dem Schlachtfeld.

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          Schon einige Jahre bevor es junge Künstler wie Liebermann, Corinth oder Klinger zwecks Weiterbildung an die Seine zog, hat sich der Maler Otto Scholderer nach Paris begeben, wo er kein Fremder blieb: Im Frühjahr 1870 konnte man ihn im Salon, der wichtigen Jahresausstellung, auf einem großformatigen Gemälde dargestellt ausmachen. Henri Fantin-Latour hatte den Frankfurter auf dem Gruppenbild „Un atelier aux Batignolles“, heute im Pariser Musée d’Orsay, stehend neben den vor einer Staffelei sitzenden Manet plaziert. Es zeigt an ihrer Seite Monet, Renoir, den Kunstsammler Maître sowie die Kritiker Astruc und Zola. Fantin widmete das Bild – ein Manifest – Protagonisten im Kampf gegen Verkrustungen des Kunstlebens und Konventionen in der Malerei. In diesen Kreis von Vertretern neuer Sehweisen nahm er auch Frédéric Bazille auf.

          Der elegant aussehende Bazille war 1862 als Medizinstudent aus Montpellier nach Paris gekommen. Er spielte leidenschaftlich Klavier, begeisterte sich für Berlioz oder Chopin und war geradezu versessen auf Noten von Komponisten wie Mendelssohn-Bartholdy, Schumann und Wagner, möglicherweise auch Brahms. Mehr noch als Anatomie und Musik fesselte ihn Malerei. Aus der Nebensache wurde schnell Berufung. Als Schüler der privaten Akademie von Charles Gleyre gründete er mit seinen Kameraden Monet und Renoir Wohn- und Ateliergemeinschaften; Sisley war dort häufiger Gast. Sie alle waren noch unbekannt und lebten von der Hand in den Mund. Ihre Hoffnung galt dem Erfolg – mit Freilichtmalerei, leuchtenden Farben und neuen Motiven oder neu gesehenen Themen.

          Im Kugelhagel der Geschütze

          Im täglichen Miteinander und bei gemeinsamen Aufenthalten in der Normandie oder am Wald von Fontainebleau schuf Bazille Landschaften und Stillleben, Akte und Interieurs, Porträts, Selbstbildnisse und Figurenbilder. Monet malte er als von ihm improvisiert verarzteten Rekonvaleszenten im Bett, Renoir porträtierte er mit an die Sitzfläche eines Stuhls hochgezogenen Füßen. Als Modelle dienten daneben Familienmitglieder, eine Blumen arrangierende Schwarze oder Männer, die fischen oder baden.

          Dabei blitzen Reminiszenzen an Alte Meister oder zeitgenössische Idole auf. Mediterranen Überschwang dämpft protestantischer Glaube. Nur vermeintlich widersprüchlich ist, dass Bazille sich selbst das Etikett eines „Historienmalers“ anheftete, nicht das eines „Peintre de la vie moderne“ (Baudelaire), während seine Bilder mit herkömmlicher Kunst wenig, dagegen einiges mit der Suche nach Alternativen zu tun hatten. Mit jener „nouvelle peinture“ (Duranty) nämlich, die um 1865 im Entstehen war und 1874 bis 1876, versehen mit dem Etikett „Impressionismus“, ihren Durchbruch erlebte.

          Diesen Siegeszug erlebte Bazille nicht mehr. Trotz vorangegangener diplomatischer Verstimmungen ahnte kaum jemand, der im Salon das Gemälde Fantins betrachtete oder auch auf ihm dargestellt worden war, dass die Welt nur wenige Wochen später aus den Fugen geraten würde. Frankreich und Deutschland begannen im Juli 1870, Krieg zu führen, nicht mal ein halbes Jahr später war nichts mehr, wie es war und – Bazille tot. Er hatte Atelier und Künstlercafés adieu gesagt, sich freiwillig ins Feld gemeldet und stieß nach kurzer Ausbildung in Algerien zum 3. Regiment der Zuaven. Knapp hundert Kilometer südlich von Paris und fünfzig vom Wald von Fontainebleau entfernt, geriet er dann zwischen bald preußische, bald bayerische Verbände. Am 28. November, vor 150 Jahren, fiel er bei Beaune-la-Rolande im Kugelhagel der Geschütze; einige Tage später wäre er 29 Jahre alt geworden.

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