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Inspiriert von Aby Warburg : Im Zwischenraum der Medien

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In einem ordentlichen Bilderatlas finden sich auch Vorsatzpapiere als Scharnier zwischen Pathosformeln: Marcel Odenbachs „Verzettelungen“. Bild: VG Bild-Kunst

Wo Marcel Odenbach Aby Warburg denkt: Krefeld bettet die bislang komplexeste Arbeit des Videokünstlers in ein kluges kuratorisches Konzept ein.

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          Wie kein anderer Kunstwissenschaftler treibt auch heute noch Aby Warburg die Exegeten seines Vermächtnisses um. Insbesondere Warburgs Bilderatlas „Mnemosyne“ beflügelt durch seine Unabgeschlossenheit und Anschlussfähigkeit immer neue hermeneutische Überlegungen, die sich auf ein riesiges Konvolut im Londoner Archiv liegender und nur partiell gehobener Quellen, Notizzettel, Briefe und Tagebücher, stützen können. Die dichter werdende, aber immer noch um gewaltige weiße Flecken wissende Editionslage führt dazu, dass vieles, was zu Warburg erscheint, im Augenblick seiner Publikation schon wieder zu ergänzen ist.

          Prominentestes Beispiel ist die jüngste Veröffentlichung der letzten dokumentierten Version des Bilderatlas. Zwar weiß diese dadurch zu überzeugen, dass sie Warburgs Hauptwerk zu großen Teilen mit dem originalen Bildmaterial rekonstruiert und damit aus dem täuschenden Schwarz-Weiß der allfälligen Reproduktionen emportauchen lässt. Doch macht auch sie wie die vielen analogen und digitalen Editionen vor ihr vergessen, dass Warburgs Atlastafeln diesseits jener letzten Version oftmals nicht plane Flächen, sondern dreidimensionale Reliefs waren, auf denen durch Kordeln oder auf Leisten fixierte aufgeschlagene, mitunter hintereinander geschichtete Bücher, Klemmbinder, in denen geblättert werden konnte, oder plastische Abgüsse von Artefakten zum Hantieren und gleichsam archäologischen Freilegen von Bilderschichtungen einluden.

          Es ist nicht nur die Wissenschaft, die sich an Warburg weidet. Auch Künstlerinnen und Künstler haben in der Vergangenheit vielfach die offenen Enden von Warburgs Bilderarrangements aufgenommen und diese poetisch in unterschiedlichsten Medien weitergesponnen – so R. B. Kitaj mit „Warburg als Mänade“ in der Malerei, Joan Jonas mit „The Shape, The Scent, The Feel of Things“ in der Performance-Installation oder Terry Gilliam mit „Twelve Monkeys“ im Spielfilm.

          Deckenhohe Rauminstallation

          Die jüngste Reminiszenz an Warburg stammt von Marcel Odenbach. Der als Sammlungssatellit #6 im Krefelder Kaiser Wilhelm Museum eingerichtete Komplex „plötzlich konnte eins wie das andere sein“ besteht aus zwei Teilen: einer 3-Kanal-Videoprojektion und einer analogen Rauminstallation. Ausgangspunkt beider Teile ist die um 1900 angelegte Lehr- und Vorbildersammlung Friedrich Denekens, die den ersten Direktor des Krefelder Museums mit pädagogischem ebenso wie ökonomischem Impetus Hunderte Reproduktionen von Werken der bildenden und angewandten Kunst zusammentragen ließ und die die Kuratorin der Ausstellung, Sylvia Martin, freigelegt hat und nun von Odenbach ins Bewusstsein der Öffentlichkeit hat heben lassen.

          Die Rauminstallation „Ohne Titel“ tapeziert zwei Wände des Saales, in dem jene Lehr- und Vorbildersammlung ursprünglich situiert war, deckenhoch mit papiernen Schwarzweiß-Reproduktionen Hunderter „Lehr- und Vorbilder“, die semantisch unterschiedlich fest miteinander gekoppelt sind. Der Raum gewinnt zusätzlich historische Anmutung dadurch, dass sich von der Folie dieses horror vacui Möbelstücke absetzen, ein leerer Vitrinenschrank und drei Tische mit Stapeln fotokopierter Lehrbilder, die zum Originalmobiliar des Lesesaals gehören. Gekoppelt mit diesem Raum ist ein zweiter, der in den Dienst einer dreikanaligen Videoprojektion mit dem Titel „Verzettelungen“ gestellt ist.

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