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Ausverkauf beim WDR : Kunstsammlung zu versteigern

„Alles muss raus“ heißt es beim WDR: Trotz Protesten will die Rundfunkanstalt ihre Kunstsammlung im Ausland unter den Hammer bringen. Obwohl gute Angebote von deutschen Firmen vorliegen sollen die Werke bei Sotheby’s versteigert werden.

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          Was lange währt, wird endlich schlecht: Schon seit Oktober 2013 hat der Westdeutsche Rundfunk die Veräußerung seiner Kunstsammlung auf der Agenda. Im November vergangenen Jahres dann nahm der Plan Gestalt an, und es gab auch erste Proteste dagegen. Jetzt macht die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Ernst mit dem Vorhaben. Dass Sotheby’s die Werke in London versteigern wird, erklärt der WDR. Das Auktionshaus wollte diese Angabe auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren.

          Rose-Maria Gropp
          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Aber es spricht einiges dafür - jedenfalls im Moment. Denn damit rechnen auch die deutschen Auktionshäuser, die ihrerseits Angebote unterbreitet hatten. Besonders pikant ist, dass Lempertz und Van Ham in Köln und die Berliner Villa Grisebach dabei beste Konditionen eingeräumt hatten. Bernd Schultz, Chef der Villa Grisebach, und Markus Eisenbeis, Geschäftsführer von Van Ham, bestätigten auf Anfrage dieser Zeitung, dass dem WDR, neben anderem Entgegenkommen, die Einlieferergebühr erlassen würde. Sollte die Versteigerung also wirklich in London stattfinden, ist das ein Affront gegen den deutschen Auktionshandel - abgesehen davon, dass die anfallende Mehrwertsteuer in England bliebe.

          Eine absurde Verkaufsidee

          Tatsächlich kaufte der WDR seit den fünfziger Jahren Kunst aus überschüssigen Rundfunkgebühren (die es damals noch gab), darunter Werke von Kirchner, Beckmann, Karl Hofer oder Kokoschka - ein Beispiel: Kirchners „Berglandschaft mit Alphütten“ von 1921 erwarb der Sender 1956 für achttausend Mark; bereits 1997 wurde das Gemälde von einem Experten auf 800.000 Mark geschätzt. Überwiegend aber stammen die Arbeiten von Künstlern, die eher nur in Deutschland bekannt sind und hier ihre Sammler haben wie Bernard Schultze, Walter Dexel oder Horst Janssen.

          Dass die Sammlung eben mit Gebührenmitteln angekauft wurde, macht diesen Verkauf überhaupt absurd. Entsprechend hat die Kulturstaatsministerin Monika Grütters in einem Brief an den Verwaltungsrat des WDR, der der Redaktion vorliegt, das Vorgehen des Senders unter seinem Intendanten Tom Buhrow bereits scharf kritisiert. Sie ruft den WDR „ausdrücklich dazu auf, diese Planungen zu überdenken und verantwortungsvoll mit den durch die Gebührenzahler erworbenen Kunstwerken umzugehen“. Man kann sich diesem Appell nur anschließen. Und man kommt langsam nicht mehr umhin, sich zu fragen, ob das Land Nordrhein-Westfalen von einer Kunstveräußerungsnummer in die nächste stolpern will - und jedes Mal auf Kosten der Bürger, von denen die Steuern oder wie jetzt die Rundfunkgebühren gezahlt werden.

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