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Hay und Jawlensky in Roubaix : Schwimmbad der Kunst

  • -Aktualisiert am

1927 bis 1932 im Art-déco-Stil als Badeanstalt errichtet, später zum Raum für Kunst umgewidmet: das Museum von Roubaix Bild: Musée d'art et d'industrie André Diligent

Das Museum von Roubaix feiert „Zwanzig Jahre La Piscine“ – unter anderem mit einer großen Schau zu Susanne Hay und Jawlensky. Doch was dürfen Kunstliebhaber auf der Jubiläumsausstellung noch erwarten?

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          Der Zielort des jährlichen Straßenradrennens Paris–Roubaix – es führt über das harte Kopfsteinpflaster Nordfrankreichs bis fast an die Grenze zu Belgien – ist nicht nur ein sportlicher, sondern auch ein kultureller. Bis heute ist dort vielen prachtvollen privaten wie öffentlichen Bauten die einstige Blütezeit der Textilindustrie in Französisch-Flandern abzulesen. Der wirtschaftliche und soziale Niedergang in den Siebzigerjahren auf dem Gebiet des heutigen Gemeindeverbands Métropole Euro­péenne de Lille war brutal, die Herausforderung immens und der Strukturwandel tiefgreifend.

          Zu seiner Bewältigung wurde auch die notorische kulturelle Unterversorgung angegangen. Heute ist die Museumslandschaft der Region von für französische Verhältnisse bemerkenswerter Dichte. Nur jeweils wenige Kilometer trennen die Museen in Lille, Roubaix, Tourcoing und Villeneuve d’Ascq; etwas weiter entfernt liegen die von Le Cateau-Cambrésis, Douai, Lens oder Valen­ciennes.

          Als die 1927 bis 1932 im Art-déco-Stil errichtete städtische Badeanstalt von Roubaix 1985 in die Jahre gekommen war, stimmten die Stadtväter und -mütter für einen Neubau an anderer Stelle. Das baufällige Gebäude wurde jedoch sorgfältig saniert und umgebaut: zum heutigen Musée d’art et d’industrie André Diligent – La Piscine. Hier zeugen einzelne Räume mit Wannenbädern für Männer oder Frauen, aber vor allem die überwölbte Schwimmhalle mit ihren gekachelten Kabinen, Duschen, Galerien, Balkonen und monumentalen Lünetten aus farbigem Glas von der alten Funktion. Für wenige Sekunden evoziert eine Klanginstallation ein paarmal in der Stunde im Wasser tollende, kreischende Kinder. Das Bassin selbst wurde mittig auf einen Kanal reduziert, den am Kopfende ein wasserspeiender Poseidonkopf mit vernehmbar plätscherndem Strahl speist; die derart gewonnenen seitlichen Flächen des Beckens wurden durch begehbare Einbauten zum Parcours für Skulpturen und Bildwerke.

          Passt zum Ort: Susanne Hay, „Swimming Pool II“, 1996, Öl auf Leinwand Bilderstrecke
          Museum von Roubaix : „Zwanzig Jahre La Piscine“

          La Piscine ist für seine umfangreiche Sammlung von Werken der Bildhauerei des späten neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhunderts bekannt, darunter Plastik von Antoine Bourdelle, Camille Claudel und François Pompon. Dazu gehört die – sehr gelungene – Rekonstruktion des Pariser Ateliers des Bildhauers Henri Bouchard zugeordnet. Ästhetische Präsentation geht dabei mit Didaktik einher – Erläuterungen zu Techniken und Produktionsbedingungen. Ein Highlight des Bestands stellen historische Musterbücher der Textilindustrie dar, die nach Vereinbarung in der „Tissuthèque“ eingesehen werden können.

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          Die Besucher erwartet aber auch ein sehr reichhaltiger Bestand an Gemälden, angewandter Kunst, Keramik und Mode. Vertreten sind regional, national oder international bekannte Künstler und Künstlerinnen. Es lassen sich dabei zahlreiche Entdeckungen machen, für die man etwas Zeit mitbringen muss. Zwischendurch kann man sich im Museumsrestaurant stärken, dessen Küche so gut wie die schneeweiße Wand- und Deckengestaltung des Art déco original ist; sommers laden eine Terrasse und zwei Gärten ebenfalls zu einer Kunstpause ein.

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