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Altstadt Frankfurt : Noch ist in Frankfurt Zeit zur Abrechnung

  • -Aktualisiert am

„Verhindern wir die Pergola! Retten wir das Straßengefühl!“ Der am Wiederaufbau der Altstadt Frankfurts beteiligte Architekt Marc Jordi plädiert für eine Modifikation des Plans.

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          Das Wiederaufbauprojekt der Frankfurter Altstadt zwischen Dom und Römer nimmt allmählich Gestalt an. Die Rohbauten der einzelnen Häuser sind teilweise bereits hochgezogen, und die ersten Spitzgiebel ragen in die Höhe. Die zukünftigen Gassen und Plätze wie der Krönungsweg, Hinter dem Lämmchen und der Hühnermarkt zeichnen sich zur Freude der Befürworter wieder ab. Das Bauvorhaben gilt sowohl gesellschaftlich als auch baulogistisch als eines der komplizierten in Frankfurt: Wo einst ein einziges Gebäude, das Technische Rathaus, stand, werden nun fünfzehn Rekonstruktionen und zwanzig Neubauten entstehen.

          Rohbau bezeichnet jenen Zustand, in dem die Planungen der Architekten erstmals sichtbar werden. Nur in der Realität kann der Plan überprüft werden, und sie macht den Architekten und Bauherren nicht selten einen Strich durch die Rechnung. Da helfen im Vorfeld digitale Möglichkeiten der Visualisierung und Modelle nur bedingt. Zu komplex ist die räumliche Wechselwirkung zwischen Bestandsgebäuden und Neubauten mit den Lichtverhältnissen, der Akustik und Materialität, den Spiegelungen und Sichtbezügen. Am Rohbau stellen sich sofort viele Fragen, der Betrachter sucht nach Gewissheit: Sind die Proportionen des Hauses richtig? Hat der Gassenraum die nötige Breite, um große Fenster zu legitimieren? Ist der Innenhof nicht zu dunkel, und werden die späteren Bewohner die städtische Dichte verstehen und schätzen? Das ist die Zeit der Abrechnung zwischen fachlicher Kompetenz und Wirklichkeit.

          Nun wird der Raum zwischen der Schirn-Ausstellungshalle und der neuen Nordzeile des Krönungsweges sichtbar, der in den letzten zwei Jahren zu Diskussionen geführt hat. Dieser bedeutendste mittelalterliche Prozessionsweg Frankfurts führte, gewunden und eng, vom Römer zum Kaiserdom, vom weltlichen zum religiösen Machtzentrum also, und war durch ausdrucksstarke Häuser gesäumt. Doch durch die in den achtziger Jahren errichtete Schirn ist er nicht mehr zur Gänze rekonstruierbar.

          Zu vieles auf zu kleinem Raum

          Der Niveauversprung zwischen Ausstellungshalle und Straßenverlauf soll gemäß den Planungen mittels einer langgestreckten Pergola überspielt und damit das gläserne Halbrund der Schirn vom Krönungsweg abgeschottet werden. Der zuständige Ausschuss der Stadtverordneten hat das bestätigt und ist damit den Empfehlungen des Gestaltungsbeirats gefolgt. Doch diese Entscheidung ist nach Ansicht der am Dom-Römer-Projekt bauenden Architekten falsch.

          Mag auf den eindrücklichen Modellaufnahmen die Pergola elegant und zart daherkommen, so dürfte diese, wenn sie gebaut sein wird, ganz anders wahrgenommen werden. Zu viele unterschiedlichste architektonische Elemente treffen in diesem Raum, der schmaler als die benachbarte Braubachstraße ist, aufeinander. Die neuen Häuser am Krönungsweg wirken wie Pferde am Start, die nur mit Mühe im Zaum gehalten werden können. Sie lehnen sich nach vorne, wollen aus der Reihe ausbrechen, und doch stehen sie in der schmalen Gasse Spalier für den Betrachter dieses Schauspiels.

          Daneben befindet sich der breite, in der groben Ästhetik des abgerissenen Technischen Rathauses gehaltene Zugang zur U-Bahnstation Dom-Römer, dahinter die Schirn, ein Kind der Postmoderne mit offenen Fugen im Natursteinverband, was sich zur Beseitigung von Kippen besonders eignet – und die Frage aufwirft, wie das zu sanieren sein wird. Zugegebenermaßen haben die Erbauer der Schirn mit der überragenden Rotunde einen eindrucksvollen Zugang geschaffen, der sich ins kollektive Stadtgedächtnis eingeprägt hat. Doch rammt die Ausstellungshalle, einem antiken griechischen Schlachtschiff ähnlich, mit ihrer Länge optisch ins Seitenschiff der Westflanke des Kaiserdoms: ein städtebaulicher Fauxpas, den die Frankfurter bis heute nicht verdaut haben. Dass im Zuge der Rekonstruktion des Dom-Römer-Quartiers auch über den Abbruch der Schirn nachgedacht wurde, ist mehr als verständlich.

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