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Kunst auf Bestellung : Unsere Stadt soll schöner werden

  • -Aktualisiert am

Der François-Mitterrand-Platz in Lille war Durchgangsort. Bis Erwin Wurm eine Food-Truck-Skulptur gestaltete. Bild: Maxime Dufour

Der Verein „Neue Auftraggeber“ stellt die Entstehung der Kunst vom Kopf auf die Füße: Bürger entscheiden, was sie brauchen, und berühmte Künstler liefern. Jetzt gibt es auch Geld vom Staat.

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          „Le Blé en herbe“ heißt eine kleine Grundschule in dem bretonischen Dorf Trébédan. Als sie, die junge Saat, vor einiger Zeit renoviert werden musste, waren sich Lehrer und Eltern einig: Irgendetwas mit Kunst sollte bei dieser Gelegenheit auch gemacht werden. Eine Vorstellung aber, wie diese Kunst aussehen und von wem sie stammen könnte, hatten sie nicht. So wandten sie sich an einen Verein mit dem sonderbaren Namen „Nouveaux Commanditaires“, der - gegründet 1991 auf Initiative des belgischen Künstlers François Hers in Paris - in Fällen wie diesen eine umfassende Betreuung anbietet. Wer Kunst auf eigene Faust vorschlagen und realisieren will, kann bei den „Neuen Auftraggebern“ auf Beistand und Expertise hoffen. Ihr Konzept zählt zu den innovativsten und erfolgreichsten Anregungen für eine Kunst am Bau oder im öffentlichen Raum, die auf Bürgerwunsch zurückgeht - und die von Anfang an mit denen geplant wird, die später in ihren Genuss kommen sollen.

          Nach Trébédan, in die Vierhundert-Seelen-Gemeinde bei Saint-Malo, entsandte der französische Verein 2007 eine sogenannte Mediatorin, auf dass sie gemeinsam mit der Schule erst einmal auslote, welche Kunst dort konkret gefragt sei und wozu sie an diesem Ort überhaupt da sein solle. Bald stellte sich heraus: Es ging um weit mehr, als nur Wände zu verschönern und den Pausenhof mit Skulptur zu möblieren. Die Schule wollte ins dörfliche Alltagsleben einrücken, ja zur Mitte für alle werden. So fiel die Wahl schließlich nicht auf einen Bildhauer oder Maler, vielmehr wurde die Pariser Designerin Matali Crasset beauftragt, die Schule komplett umzustrukturieren.

          Beteiligung bekannter Künstler

          Crasset, die ehemalige Mitarbeiterin von Philipp Starck, ließ sich auf einen langen Prozess ein, um mit der Gemeinde unterschiedliche Ideen zu diskutieren. Als Resultat wurden die Klassenräume und der Kindergarten nach ökologischen Standards renoviert, die Schule wurde um eine Kantine und eine Bibliothek erweitert und völlig neu geordnet, so dass seit 2015 dort nicht nur Unterricht stattfindet. In der Schule spielen sich auch die kulturellen Aktivitäten von Trébédan ab. Damit ist eine Saat erfolgreich aufgegangen.

          Mit einem Begriff der amerikanischen Kunsthistorikerin Miwon Kwon lassen sich die Aktivitäten der Nouveaux Commanditaires als „Community Involvement“ beschreiben. Eine lange Liste von mehr als dreihundert realisierten Arbeiten in Frankreich stellt die Nachhaltigkeit dieser Praxis eindrucksvoll unter Beweis. Namhafte Künstler haben sich beteiligt, darunter Vito Acconci, Angela Bulloch, Ernst Caramelle und Yona Friedman, Liam Gillick, Dominique Gonzalez-Foerster, Martha Rosler und Jessica Stockholder. Sie haben Gedenkstätten geschaffen, Imbissbuden, Spielplätze oder, wie Michelangelo Pistoletto in Marseilles, ein interkonfessionelles Meditationszentrum: Das Paoli Calmettes Institute, ein 1925 gegründetes Krebszentrum, öffnete seine katholische Kapelle im Jahr 2000 allen Religionen und auch jenen Besuchern, die an gar keinen Gott glauben. Der italienische Künstler unterteilte den Betraum in fünf offene Kompartimente - für Buddhismus, Judentum, Christentum und Islam sowie für ein säkulares Gedenken. Im Zentrum plazierte er ein berühmtes Objekt seines OEuvres aus dem Jahr 1966, den „Kubischen Meter der Unendlichkeit“. Sechs nach innen gekehrte Spiegel bilden einen Würfel, der die Ewigkeit umschließt. Zu den jüngsten Projekten der „Nouveaux Commanditaires“ zählt ein minimalistischer Skulpturengarten von Camille Henrot im südfranzösischen Pailherols: „Ma montagne“, ihr persönlicher Berg.

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