https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst-und-architektur/ueber-die-antiken-bronzen-von-riace-18245971.html

Antike Bronzen von Riace : Waren sie auf dem Weg nach Byzanz?

Silber für Zähne und Wimpern, Kalzit für die Augen, Kupfer für die Lippen: Einer der Krieger von Riace aus dünnem Bronzeguß („Statue A“ oder auch „der Jüngere“ genannt) Bild: picture-alliance / akg-images / Erich Lessing

Vor fünfzig Jahren tauchten vor der ionischen Küste die Bronzen von Riace auf. Sie sind zum Inbegriff des nationalen Kulturerbes geworden – und ein Rätsel geblieben.

          7 Min.

          Die Fundanzeige, die die Denkmalbehörde für die Altertümer der Region Kalabrien am 17. August 1972 unter der Protokollnummer 2232 aufnahm, klang etwas ungläubig: Stefano Mariottini, so heißt es da, „gibt an, am 16. dieses Monats bei einem Tauchgang (. . .) auf der Höhe von Riace, bei Kilometer 130 auf der Nationalstraße am Ionischen Meer, rund dreihundert Meter von der Küste entfernt, in circa zehn Meter Tiefe eine Gruppe von Statuen, vermutlich aus Bronze, gefunden zu haben“. Sie stellten „nackte männliche Figuren“ dar, hätten „eine dunkelbraune Farbe, ausgenommen ein paar hellere Stellen“, seien „perfekt erhalten, sauber modelliert“ und wiesen keine Verkrustungen auf. „Die Maße be­tra­gen etwa 180 Zentimeter.“ Am linken Rand ist mit Rotstift vermerkt: „Die Meldung entspricht der telefonischen Mitteilung vom 16. August 1972, die um 21 Uhr einging und die Entdeckung anzeigte. Gezeichnet: G. Foti.“

          Andreas Rossmann
          Freier Autor im Feuilleton.

          Schon am frühen Nachmittag hatte Mariottini, ein Chemiker aus Rom, der wie jeden Sommer hier Urlaub machte, in der Behörde angerufen, doch keinen erreicht. Am Abend hat er sich dann direkt an Sovrintendente Giuseppe Foti gewandt. Die Detailfreude, mit der der Hobbytaucher sein Finderglück schilderte (und in späteren Versionen weiter ausschmückte), hatte den Archäologen skeptisch gestimmt, und als er dann davorstand, wollte er es zunächst nicht glauben: „Man konnte nicht daran denken, die Hand auf ein griechisches Original gelegt zu haben, noch dazu aus einer Zeit, aus der so wenig erhalten geblieben ist, auf Bronzegegenstände, die aus dem fünften Jahrhundert v. Chr. stammen, aus der Zeit des Phidias.“

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Ein russischer Raketenwerfer im September in der Region Donezk

          Moskaus Heer in der Ukraine : Die russische Kampfkraft schwindet

          Die russischen Streitkräfte haben schwere Verluste erlitten. Mit der von Putin verkündeten Teilmobilmachung können personelle Lücken gefüllt werden. Bei der Ausrüstung ist das schwieriger.
          Wenn schon sterben, dann mit Musik, lautet eine alte russische Soldatenredensart: Mobilisierte in einer Rekrutierungsstelle im südrussischen Bataisk

          Russland macht mobil : Das große Völkerbegräbnis

          Russland rekrutiert Zivilisten für den Ukrainekrieg. Die entlegenen und verarmten Regionen trifft es besonders hart. Die hochgerüsteten Ordnungshüter gehen brutal gegen Unwillige vor, doch dann werden die Soldaten oft unterversorgt an die Front geschickt. Ein Gastbeitrag.
          Russlands Präsident Wladimir Putin verliert an Rückhalt.

          Fachmann im Interview : „Er sagt sich: Wer braucht eine Welt ohne Putin?“

          Die wichtigste Methode Putins war bisher die Demobilisierung des eigenen Volks. Jetzt setzt er auf Mobilisierung. „Das ist ein absolut neues Experiment“, sagt der Moskauer Sozialwissenschaftler Grigorij Judin im Interview.