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Drohende Pleite der Documenta : Die schlüssigste letzte Handlung

  • -Aktualisiert am

Dunkle Wolken über Marta Minujins „The Parthenon of Books“ auf der Documenta 14 Bild: AP

Die Documenta 14 hat getan, was sie konnte, um den westlich geprägten Kanon der bildenden Kunst einzureißen. Dass sie fast noch sich selbst in den Abgrund gerissen hätte, passt ins Bild.

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          Das wäre natürlich die ultimative Geste gewesen, die der Documenta 14 noch fehlte: Sie hat, statt Ansprüche an die Kunst zu formulieren, Europa für Kolonialismus, Faschismus, die Finanzwirtschaft und deren Folgen moralisch in Haftung genommen. Sie hat getan, was sie konnte, um den westlich geprägten Kanon der bildenden Kunst einzureißen, als wäre der nicht schon lange damit beschäftigt, sich neugierig bis gierig-vereinnahmend vormals unbekannten Stimmen zu öffnen. Sie hat überhaupt das Kunstwerk als autonome, für sich stehende und damit im besten Fall die Welt lokal minimal aus den Angeln hebende Tatsache auf die Rolle des Zeugnisses persönlicher Biographien und unterdrückter Lebensformen reduziert. Und damit letztlich dessen Autonomie für sich selbst beansprucht.

          Die schlüssigste letzte Handlung wäre es gewesen, zuletzt noch die wunderbare, aus der Erfahrung der Diktatur, des Vernichtungskrieges und des Genozids geborene, weltweit als beispielhaft ausstrahlende zivilisatorische Errungenschaft, die all dies ermöglicht hat, nämlich die Documenta selbst, in den Abgrund zu reißen. Tatsächlich wäre es wohl fast so weit gekommen: Wie die „Hessische Niedersächsische Allgemeine“ (HNA) am Dienstag berichtete, drohte der gemeinnützigen Documenta gGmbh Ende August die Insolvenz. Noch kurz vor der Eröffnung hatte Geschäftsführerin Annette Kulenkampff nach mehr Geld gerufen, wofür sie von den größten Anteilseignern, dem Land Hessen und der Stadt Kassel, zurechtgestutzt worden war. Nun mussten beide ihrem kulturellen Flaggschiff rettend zu Hilfe eilen und ein Loch von sieben Millionen Euro je zur Hälfte mit Bürgschaften stopfen. Gläubiger ließen sich auf Stundungen ein, so dass die Ausstellung wie geplant bis diesen Sonntag weiterlaufen wird und bis Ende des Jahres Gehälter gezahlt werden können. Kurator Adam Szymczyk war zur entsprechenden Sondersitzung am 28. August wohl gar nicht mehr eingeladen.

          Kommende Woche soll über Konsequenzen beraten werden. Dort wird wohl die Personalie Kulenkampff zur Verhandlung stehen, was tragisch ist, denn einem experimentierfreudigen Kurator wirtschaftlich den Rücken freizuhalten ist eigentlich genau ihr Job – allerdings auch all den Kuratoren, die hoffentlich noch folgen werden. Es geht übrigens das Gerücht, dass Adam Szymczyk den vom Sponsor VW bereitgestellten Wagen abgelehnt hat und lieber mit einem alten BMW durch Kassel fährt. Ein schönes Bild für den eklatanten blinden Fleck, um den sein apokalyptisches Denken kreist: die Zurückweisung der Verantwortung für die Macht der eigenen Institution.

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