https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst-und-architektur/streit-um-berliner-kunsthalle-walter-smerling-aeussert-sich-17815823.html

Streit um „Berliner Kunsthalle“ : Die Bekenntnisse des Walter Smerling

  • Aktualisiert am

Walter Smerling Bild: Picture Alliance

Im Streit um die private „Kunsthalle“ Berlin im Flughafen Tempelhof hat sich der Initiator Walter Smerling zu Wort gemeldet. Prominente Künstler fordern unterdessen die Rückgabe der öffentlichen Räume.

          2 Min.

          Im Streit um die private Kunsthalle im stillgelegten Berliner Flughafen Tempelhof hat sich im „Tagesspiegel“ jetzt der Initiator und Kulturmanager Walter Smerling zu Wort gemeldet. Smerlings „Stiftung für Kunst und Kultur e. V.“ hatte im Sommer im Tempelhofer Flughafen die Ausstellung „Diversity United“ eröffnet, die zurzeit in Moskau gastiert. Auch während der nächsten zwei Jahre darf Smerling, wie die F.A.Z. berichtete, die Berliner Hallen mit seinem privaten Verein nach Belieben mietfrei nutzen. Mit dem Initiator geriet zugleich der Berliner Senat in die Kritik, nachdem nach Recherchen der F.A.Z. Berlin dem Bonner Verein die Hangars nicht nur umsonst zur Verfügung stellt, sondern sich auch noch bereit erklärt, die Hälfte der Betriebskosten – in zwei Jahren bis zu 2,4 Millionen Euro – zu übernehmen. Immer mehr Künstler, darunter Mona Hatoum und Yael Bartana, zogen daraufhin ihre Werke aus der Ausstellung ab, namhafte Kuratoren wie der ehemalige Documenta-Leiter Roger M. Buergel schlossen sich dem Protest von Berliner Künstlern gegen die neue Privatkunsthalle an.

          Der ehemalige Regierende Bürgermeister Michael Müller habe ihm angeboten, die beiden Hangars nach Ende der Ausstellung weiter zu bespielen, rechtfertigt sich Smerling nun im „Tagesspiegel“. „Ich bot an, ein Konzept zu entwickeln, und schlug ihm vor, in Hangar 2+3 die nächsten zwei Jahre Ausstellungen zu realisieren, für die der Senat nichts zahlen muss. Im Gegenzug baten wir darum, die Hallen miet- und kostenfrei nutzen zu können. Als es hieß, dass wir uns an den Nebenkosten mit 50 Prozent beteiligen müssen, haben wir zugestimmt.“ Im Vertrag stehe zwar, dass bis zu 100.000 Euro anfallen könnten, aber sie hielten die Betriebskosten niedrig, behauptet Smerling. Angesprochen auf den Schirmherrn von „Diversity United“, Wladimir Putin, gibt Smerling an, dass, als sie vor drei Jahren mit dem Projekt anfingen, „niemand ahnte“, wie sich die Situation mit Russland entwickeln würde. „Wir suchen auch mit denjenigen das Gespräch, mit denen wir nicht einverstanden sind“, so der Kulturmanager, der auch kein Problem darin sieht, wenn sich einer der Hauptunterstützer der „Kunsthalle“, der Immobilieninvestor Christoph Gröner, anschließend im TV-Interview vor dem Flughafen Tempelhof brüstet und von „Kunst als Türöffner“ spricht. „Fakt ist, es braucht eine intelligente Verbindung von Kultur und Wirtschaft, um Kunst öffentlich zeigen zu können“, so das Bekenntnis von Walter Smerling.

          In einem Protestbrief hatten sich am Donnerstag die Künstler Hito Steyerl, Jörg Heiser und Clemens von Wedemeyer an den Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke), die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD), den Regierenden Bürgermeister a.D. Michael Müller (SPD), die Mitglieder des Aufsichtsrats der senatseigenen Tempelhof Projekt GmbH, den Berliner Rechnungshof, die Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Die Grünen) sowie an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) gewandt, der als Schirmherr der Ausstellung „Diversity United“ im Flughafen Tempelhof auftrat. „Wir schreiben Ihnen, weil wir alarmiert sind davon, dass die Stadt Berlin bzw. deren Funktionsträger sich ohne Not mit der räumlichen und finanziellen Unterstützung einer sogenannten ,Kunsthalle Berlin‘ von privaten Vereinen, Unternehmen und Personen rund um den ,Kulturmanager‘ Walter Smerling haben instrumentalisieren lassen“, heißt es in dem offenen Brief, der unter anderem über die Plattform E-Flux verbreitet wurde. Er wurde inzwischen von zahlreichen Protagonisten des Kunstbetriebs unterzeichnet - darunter von den Künstlerinnen Maria Eichhorn, Natascha Sadr Haghighian und Rosa Barba, dem Künstler und Kurator Kader Attia und Institutionsleitungen wie Krist Gruijthuijsen (KW Berlin), Bettina Steinbrügge (Hamburger Kunstverein/Mudam Luxemburg) und Kathrin Becker (Kindl Zentrum Berlin). Die Verfasser wollen die Rückgabe der Räume erwirken und fordern, die Zuschüsse aus öffentlichen Geldern sofort zu beenden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Hat einen Plan: Bundeswirtschaftsminister und Vize-Kanzler Robert Habeck (Grüne)

          Energiesicherheit : Der Gas-Notfallplan für den Herbst

          Die Regierung plant die Uniper-Rettung und rüstet sich für eine mögliche Gassperre in der kommenden Woche. Wie das genau ablaufen könnte: Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.