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Jahrhundertschenkung an Städel : Drei Rosse und viel rares Öl für Frankfurt

Stairway to Heaven: Auf Oskar Schlemmers „Bauhaustreppe“ von 1931 wird die Stiege nach oben hin immer schmaler und löst sich in einem fast weißen Hellblau auf, während die Treppenwange auf den ersten Metern noch in dunklem Azur fest wirkt. Damit kommt das Aquarell Schlemmers Intention der Bauhaus-Ausbildung als Aufstieg des Menschen auf eine höhere Seinsstufe näher als die MoMA-Version in New York. Bild: Städelmuseum

Marc, Klee, Ernst und viele viele mehr: Das Städelmuseum Frankfurt kann mit einer Jahrhundertschenkung glücklich Kriegs- und andere Sammlungslücken füllen.

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          Es klingt wie ein anschwellender Kunsthistorikerkanon: Beginnend mit den einsilbigen Dix, Marc, Klee, Ernst, Klimt über Léger, Schlemmer, Kirchner, Francis bis hin zu Kandinsky, Moholy-Nagy, Feininger Jawlensky und Wesselmann. All diese großen Namen der Kunst beinhaltet ein Vermächtnis, das an das Städel in Frankfurt ging und am Wochenende der Öffentlichkeit bekannt gemacht wird, ohne Auflagen und ohne die Falle eines künftigen Rückzugs der Stiftung; insgesamt neunzig Werke höchster Qualität. Die philanthropische Stifterin Ulrike Crespo, wunderbare Fotografin und Mit-Erbin des Wella-Vermögens wie auch der Sammlung ihres Großvaters Karl Ströher, lebt leider nicht mehr. Sie erlebt aber hoffentlich, von wo auch immer, die wie Finger von Dürers Betenden Händen ineinandergreifende Verzahnung ih­rer Bilder mit dem vorhandenen Be­stand sowie eine die Schenkung vorstellende Städel-Ausstellung „Im Zeichen der Freundschaft“ ab 24. November mit.

          Stefan Trinks
          Redakteur im Feuilleton.

          Denn ist es nicht der dritte Schlemmer, der vierte Kandinsky oder der fünfte Léger, der aufgrund Überfülle eh ins Mu­seums­depot verbannt würde. Vielmehr schließen die neunzig Neuankömmlinge Lücken, die etwa durch Ausblendungen in den Zwanzigern oder totale Verblendung in der NS-Zeit gerissen wurden. Es wirkt fast, als hätte Ströher seit den frühen Fünfzigern bewusst ergänzend zum Städel gesammelt. Dass er durch das in dieser Nachholzeit florierende Kosmetik-Unternehmen stets die beste Qualität der Moderne kaufen konnte, macht die Schenkung noch kostbarer.

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