https://www.faz.net/-gsa-adig6

„Spur der Steine“ : Wer hat die Akropolis erbaut?

Stadt der Rätsel: Bis heute ist nicht geklärt, welchen Zwecken die Große Einfriedung von Groß-Simbabwe gedient hat, hier gesehen von der Bergruine, davor die kleineren Ruinen in der Talsenke Bild: Mauritius

Erst kommt die Rechtfertigung des eigenen Kolonialregimes, anschließend erfolgt die Zerstörung: In Groß-Simbabwe haben Goldsucher und voreingenommene Archäologen unermessliche Schäden angerichtet.

          5 Min.

          Die Pointe des Berichts, den der Reporter der New York Times im Februar 2017 über seinen Besuch der Ruinen von Groß-Simbabwe verfasste, war bitter. „Vielleicht haben die Weißen sie gebaut“, zitierte Norimitsu Onishi einen jungen Viehhirten, der seine Kühe zwischen den Überresten der stolzen steinernen Stadt weiden ließ. In diesem Satz verdichtete sich der Niedergang Simbabwes seit der Machtübernahme durch Robert Mugabe: Die von Wirtschaftskrisen, Korruption und Hoffnungslosigkeit verunsicherte Bevölkerung traute auch den eigenen Ahnen eine herausragende baumeisterliche Leistung, wie sie Groß-Simbabwe darstellt, nicht mehr zu – eine Form von Auto-Rassismus.

          Matthias Alexander
          Stellvertretender Ressortleiter im Feuilleton.

          Es war das traurige Echo einer unseligen, aber überwunden geglaubten Tradition: Nachdem der deutsche Abenteurer und Forscher Karl Mauch die einstige Stadt Groß-Simbabwe im Jahr 1871 auf einem Plateau im Mashonaland südlich des Sambesi lokalisiert hatte, waren sich Forscher und Kolonialherren aus Europa jahrzehntelang sicher, dass die anspruchsvollen Bauten nicht von Afrikanern errichtet worden sein konnten. Stattdessen wurden Phönizier, Israeliten, Ägypter und Araber als mögliche Bauherren genannt. Aus Sicht der Europäer lag es nahe, eine Verbindung zwischen dem größten steinernen Bauwerk im vorkolonialen Afrika südlich der Sahara und den Bauten im Nahen Osten herzustellen. Indem man die Schwarzen als unterlegen charakterisierte, rechtfertigte man zugleich das eigene Kolonialregime.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Rangierbahnhof in Maschen

          Güterverkehr : Auf der Schiene herrscht das Chaos

          Mehr Güter von der Straße auf die Gleise – das will die Politik. Derzeit jedoch bremsen Baustellen und Betriebsstörungen die Bahnen aus. Wer ist Schuld?