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Serie „Spur der Steine“ : Warum ging die Megapolis unter?

„Es ist unmöglich, durch den Tag zu kommen, ohne sich mehrmals zu baden.“ Die Tempelanlage von Angkor Wat mit ihren charakteristischen Lotustürmen wird von Archäologen mit Leben gefüllt. Bild: Picture Alliance

Das Unsichtbare wird sichtbar: Neue archäologische Forschungsmethoden zeichnen ein verblüffendes Bild der kambodschanischen Stadt Angkor. Sie wird nicht nur immer größer, sondern auch sozial zunehmend spannend.

          5 Min.

          Es gibt kaum einen Ort auf der Welt, an dem Steine einen solch bleibenden Eindruck hinterlassen wie in der mittelalterlichen Dschungelstadt Angkor. Im 15. Jahrhundert vermeintlich untergegangen, von den Kambodschanern nie vergessen, von europäischen Forschungsreisenden wie Henri Mouhot und Adolf Bastian erstmals um 1860 eingehend beschrieben, zieht heute allein das zu den weltweit größten Tempelanlagen zählende Angkor Wat jährlich mehr als zwei Millionen Besucher ins Land. Vor allem Sandstein gibt es in der seit dem neunten Jahrhundert von den Khmer besiedelten Stadtlandschaft in beeindruckender Vielfalt: als Mauerstein, der sich durch eine spezielle Schleiftechnik in riesigen Gebäudekomplexen passgenau zusammenfügt oder als Basis endlos langer Reliefs mit Szenen aus epischen und mythischen Werken, die so fantasievolle Titel wie „Die Butterung des Milcho­zeans“ tragen. Daneben gibt es in langer Reihe Tausende halb nackte Tänzerinnen, die sogenannten Apsaras und Devatas.

          Uwe Ebbinghaus
          Redakteur im Feuilleton.

          Am Tempel Bayon blicken entspannt, aber rätselhaft zweihundert meterhohe steinerne Gesichter von Toreingängen und Türmen mit buddhistischem Lächeln auf die Betrachter herab. Ein reizvoller Verfremdungseffekt entsteht durch die stellenweise Überwucherung der Steinmauern mit Würgefeigen und anderem Tropengehölz, was zu Szenerien führt, die schon von dem Disney-Zeichentrickfilm „Dschungelbuch“ oder dem Computerspiel „Lara Croft“ dankbar aufgenommen wurden. Stein ist auch insofern von besonderer Bedeutung in Angkor, als sich Pergament und Palmblätter, auf die im kambodschanischen Mittelalter bevorzugt geschrieben wurde, nicht erhalten haben; die einzigen schriftlichen Quellen der alten Khmer befinden sich auf Steinsäulen. Und nicht zuletzt wurden aus Sandstein die weltbekannten Lotusblüten-Türme von Angkor Wat, dem „Tempel in der Stadt“, geschlagen, die mit ihrer Silhouette ebenso auf der Nationalflagge Kambodschas wie auf dem Etikett des meistgetrunkenen Biers des Landes prangen.

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