https://www.faz.net/-gsa-adpdl

Spur der Steine : Das Cambridge der hellenistischen Welt

Homerischer Blick: Ansicht von der Akropolis von Lindos Bild: Colourbox.com

Hier opferte erst Alexander der Große, und dann kam die römische Elite zum Studium: Die Akropolis in Lindos repräsentiert das kulturelle Kapital einer nur vordergründig gescheiterten Seemacht.

          4 Min.

          Als Ernst Jünger 1981 zusammen mit seinem Verleger Ernst Klett nach Lindos auf Rhodos kam und auf einem Esel den schmalen Pfad zur Akropolis hinaufritt, ging gerade die Sonne auf. Später berichtete er in seinem Reisetagebuch von dem „homerischen Blick“, mit dem er das majestätische Heiligtum auf dem Felsvorsprung hoch oben über den Fluten des Mittelmeeres betrachtete. Noch heute, vierzig Jahre und ein brutales Umsichgreifen des Massentourismus später, zieht die Akropolis in Lindos alle Blicke auf sich. Wenn man mit dem Auto die zentrale Landstraße vom Norden her kommt und an wenig erhebenden Hotelkomplexen und Einkaufsmärkten vorbeigefahren ist, tut sich hinter einer scharfen Rechtskurve plötzlich ein auratisches Säulenpanorama auf. Unwillkürlich tritt man auf die Bremse, um das Standbild ferner Dauer auf sich wirken zu lassen.

          Simon Strauß
          Redakteur im Feuilleton.

          Wenig verwunderlich, dass es hier in der Vergangenheit eine Vielzahl von Auffahrunfällen gegeben hat und die Behörden sich daher gezwungen sahen, auf der gegenüberliegenden Seite der Straße eine kleine Parkbucht anzulegen – die während der Hochsaison freilich ständig von knipsenden Motivjägern belegt ist. Der „homerische Blick“ tut eben auch auf Instagram seine Wirkung.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Die Ästhetik von rechtsextremen Influencerinnen passt in die heile Instagram-Welt aus modisch gekleideten Menschen, Tierjungen und Traumstränden. (Symbolfoto)

          Rechtsextreme Influencerinnen : Das nette Nazi-Mädchen von nebenan

          Rechtsextreme Influencerinnen suchen in den sozialen Medien nach Anhängern. Mit Frisurentipps, Backrezepten und Aufnahmen vor grünen Landschaften wirken sie zunächst unverfänglich – doch der Schein trügt. Eine Recherche.
          Alles so schön bunt hier: eine Gasse in Basel. In der Schweizer Stadt fanden im vorigen Jahr Demonstrationen der Black-Lives-Matter-Bewegung statt, die Martin R. Dean ermutigten, über seine Erfahrungen als „nichtweißer“ Autor zu sprechen.

          Was die Sprache verändert : Ade, du weiße Selbstverständlichkeit

          Der Schriftsteller Matthias Politycki hat kürzlich begründet, warum er Deutschland verlassen hat: Politisch korrekte Sprachregelungen mache ihm das Schreiben unmöglich. Ihm antwortet nun ein Freund und Kollege.