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Schlacht von Waterloo : Wie kam Napoleons Zweispitz nach Berlin?

  • -Aktualisiert am

Vor zweihundert Jahren verlor Napoleon in der Schlacht von Waterloo nicht nur seinen Zweispitz. Der liegt heute in Berlin, im Deutschen Historischen Museum. Wie er dort hinkam, erzählen wir hier. Ein Gastbeitrag.

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          Nahezu 1,9 Millionen Euro wurden unlängst von einem südkoreanischen Geschäftsmann bei einer Auktion im französischen Fontainebleau für einen Hut Napoleons bezahlt. Dieser Besitzerwechsel wurde möglich, nachdem das Fürstentum Monaco 2013 beschlossen hatte, sein Napoleon-Museum aufzulösen und rund tausend Objekte einschließlich des Hutes zum Verkauf freizugeben. Der ist einer von insgesamt neunzehn Hüten des 1815 gestürzten Kaisers, die weltweit noch erhalten sind. Kaum ein Kleidungsstück hat eine historische Persönlichkeit je mehr repräsentiert als der schwarze Zweispitz; er gilt bis heute als Symbol für diesen Herrscher schlechthin.

          In vollem Bewusstsein dieser Wirkung hatte Napoleon die Kopfbedeckung schon früh zum Bestandteil seiner Selbstinszenierung gemacht und als feste Komponente seiner Uniform seit Beginn des neunzehnten Jahrhunderts regelmäßig getragen. Während nahezu alle Militärs seiner Zeit ihre Hüte mit der Spitze nach vorn trugen, setzte Napoleon den seinen horizontal seitlich auf, mit den beiden Enden parallel zu den Schultern. Diese Eigenheit mit hohem Wiedererkennungswert in Verbindung mit dem einfach gehaltenen Stil seiner Kleidung war wohlkalkuliert, hob sie den Kaiser doch augenfällig von den gold- und silberbestickten Uniformen des ihn umgebenden Generalstabs ab.

          Die legendäre Schlacht von Waterloo

          Während Napoleons gesamter Regierungszeit lieferte der renommierte Pariser Hutmacher Poupard pro Jahr im Schnitt vier der in Größe und Form leicht variierenden Hüte. Sie waren aus schwarzem Biberfilz gefertigt, mit einer einfachen Kokarde in den Farben der Trikolore verziert und kosteten den herrschaftlichen Auftraggeber 48 Francs pro Stück. Einer dieser berühmten Hüte wurde 1821 nach dem Tod Napoleons auf der Insel St. Helena in den Sarg auf die Brust des Leichnams gelegt. Die in ihrer historischen Dramatik bedeutsamste aller neunzehn erhaltenen Kopfbedeckungen befindet sich jedoch im Deutschen Historischen Museum zu Berlin. Es handelt sich um jenes Exemplar, das Napoleon den ganzen Tag des 18. Junis 1815 über auf dem Kopf trug – am Tag der welthistorischen Schlacht von Waterloo.

          Belgien : Waterloo rüstet sich für 200. Jahrestag der Schlacht

          Nach der überraschenden Rückkehr Napoleons aus Elba, wohin er sich 1814 hatte zurückziehen müssen, hatten die immer noch auf dem Wiener Kongress versammelten Mächte Anfang März 1815 den Kaiser einstimmig mit Acht und Bann belegt und aus allen Himmelsrichtungen insgesamt 800.000 Mann gegen ihn in Marsch gesetzt. Napoleon führte daraufhin eine neuaufgestellte Grande Armée nach Belgien, um den Alliierten mit einem Offensivschlag zuvorzukommen. Sein Feldzug begann mit einem strategischen Erfolg, indem es gelang, die Nahtstelle zwischen englischem und preußischem Heer bei Charleroi zu durchtrennen und dadurch die beiden alliierten Armeen zu trennen. Am 16. Juni schlug Napoleon bei Ligny die Preußen unter Feldmarschall Blücher, der sich nach Nordwesten zurückziehen musste. Nun stand die Auseinandersetzung mit der englischen Armee unter Wellington bevor. In der Nacht vom 17. auf den 18. Juni tobte ein schweres Gewitter. Die herabstürzenden Wassermassen verwandelten die Landschaft südlich von Brüssel in einen einzigen klebrigen Morast, was Wellington zu der Äußerung veranlasste, nicht einmal in Indien habe er Vergleichbares erlebt.

          Der Regen durchweichte die Uniformen der Soldaten beider Seiten bis auf den letzten Faden und gestaltete das Vorwärtskommen mühsam. Der englische Fähnrich Charles Short berichtete, er und seine Kameraden seien bis zu den Waden im Schlamm versunken. Mitten in der Nacht rund fünfzehn Kilometer südlich von Brüssel auf dem Höhenzug des Mont St. Jean angekommen, war es dann den Engländern noch nicht einmal erlaubt, ihre Decken zu benutzen, um im Fall eines französischen Angriffs nicht überrascht zu werden. Kaum weniger als zwei Kilometer davon entfernt ritt Napoleon bis an den äußersten Rand der französischen Vorposten durch die Gewitternacht, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

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