https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst-und-architektur/salzburger-domquartier-es-muss-nicht-immer-mozart-sein-12948937.html

Salzburger Domquartier : Es muss nicht immer Mozart sein

Macht hoch die Tür: Salzburg will nicht länger nur Musikstadt sein, das reiche Erbe der Fürsterzbischöfe soll die Welt begeistern – mit dem Domquartier will die Stadt in die erste Museumsliga.

          4 Min.

          Diese „kleine weltberühmte Stadt“, wie ihr derzeitiger Bürgermeister sie nennt, will noch berühmter werden. Als Museumsstadt, an der kein Vorbeikommen ist. Das Erbe, das sie verwaltet, speist sich aus den gut vierhundert Jahren, in denen die Salzburger Erzbischöfe Fürsten des Heiligen Römischen Reiches waren: geistige und weltliche Machthaber in Personalunion, die ständig bauten und verschönerten, stets mit den besten Künstlern und Baumeistern der Epoche. So wurde vor vierhundert Jahren der Grundstein zum Dom gelegt, heute lockt das barocke Juwel jährlich mehr als fünf Millionen Besucher.

          Hannes Hintermeier
          Feuilleton-Korrespondent für Bayern und Österreich.

          Die Zeiten, da das gemeine Volk nichts zu melden, höchstens zu zahlen hatte, sind nicht erst seit der Säkularisation lange vorbei, auch wenn es erst sechzig Jahre her ist, dass ein Salzburger Bischof den Titel Fürsterzbischof ablegte. Es schwang unüberhörbar eine gewisse Erleichterung mit, als nun Vertreter der Politik, der Kirche und der Museen das neue Domquartier der Öffentlichkeit vorstellten. Ein großer Tag für die 150000-Einwohner-Stadt, die auf der Besuchspflichtliste der großen Tourismusströme steht. Denn um Fremdenverkehr geht es natürlich auch; die Verweildauer der vielen ausländischen Gäste soll erhöht werden, weshalb der Bürgermeister den neuen, alten Museumskomplex als„Schlechtwetterveranstaltung“ lobte.

          Der erste vollständige Rundgang seit 200 Jahren

          Es geht aber um mehr: um eine Annäherung der Stadt an diese fernen, absolutistischen Herrscher, deren Prachtentfaltung uns Heutigen irritierend vorkommt – und das nicht erst, seit in Rom ein Papst regiert, der Armut predigt. Indem man von ihnen erzählt, kann man eventuell die Distanz überbrücken zu einer Epoche, die der unseren in punkto Zerrissenheit nicht so fern ist, wie man vermuten könnte: Man schaue von der Altstadtseite auf den nordöstlich gelegenen Kontrapunkt des zeitgenössischen Städtebaus, auf das 1995 in Betrieb genommene Heizkraftwerk Nord. Die direkt am Salzachufer thronende Kathedrale der Energiewirtschaft macht mit ihrem siebzig Meter hohen Betonkamin deutlich, welche Binnenspannung in diesem Gemeinwesen herrschen muss. Es ist eben doch nicht alles nur Mozartkugel.

          Die große Bildergalerie in der Salzburger Residenz Bilderstrecke
          Domquartier Salzburg : Einblicke in Dom, Museum und Residenz

          Zurück zum Dom: 15000 Quadratmeter und zweitausend Exponate umfasst die Ausstellungsfläche, wirklich neu davon ist gerade einmal ein knappes Zehntel. Die eigentliche Überraschung ist, dass man zum ersten Mal seit zweihundert Jahren einen vollständigen Rundgang in der ersten Etage von Residenz, Dom und Wallistrakt des Klosters St.Peter unternehmen kann. Dazu musste die Universität bewegt werden, moderne Räume unter dem Dach zu beziehen. Und mussten sich viele Partner die Hand geben – die Dompfarrei, die Mönchsorden der Benediktiner und der Franziskaner, Stadt und Land Salzburg, mehrere Museen, die in der Residenz untergebracht sind. So wurde dann gern das Bild von Himmel und Erde bemüht, die sich hier zusammentun.

          1,3 Kilometer Prunksäle und Galerien

          Die Umsetzung dauerte acht Jahre, gekostet hat das Projekt 8,7 Millionen Euro, eine vergleichsweise überschaubare Summe. Viel Geld steckt in unsichtbarer Sicherheits- und Brandschutztechnik. Die Vermarktung als „Quartier“ ist vermutlich erfolgversprechend, auch weil die Anspielung auf die Form des Museums naheliegt. Das Geld dürfte gut angelegt sein, auch wenn man sich mit 80000 Besuchern pro Jahr zunächst moderate Ziele steckt. Mitbringen müssen diese allerdings Muße, eineinhalb bis zwei Stunden sollten es schon sein, „für unsere Freunde aus dem Osten, die meist nicht so viel Zeit haben“, hat die Geschäftsführerin eine „Expressführung“ in sechzig Minuten im Angebot.

          Weitere Themen

          Danke, Stille

          Ugo Rondinone in der Schirn : Danke, Stille

          Die Schau von Ugo Rondinones Werk in der Schirn Kunsthalle zieht die Besucher atmosphärisch in ihren Bann. Es ist die erste deutsche Überblicksausstellung des Künstlers.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.