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Restitutionsstreit : Corinth-Gemälde geht nicht zurück

„Portrait Alfred Kerr“ von Lovis Corinth. Bild: Picture-Alliance

Lovis Corinth fertigte zum vierzigsten Geburtstag Alfred Kerrs ein Porträt des Berliner Kritikers an. Die Erben des jüdischen Vorbesitzers Robert Graetz wollen das Bild zurück. Die Limbach-Kommission lehnt das ab.

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          Die Beratende Kommission im Zu­sammenhang mit der Rückgabe NS-bedingt entzogenen Kulturguts, insbesondere aus jüdischem Besitz, hat die Rückgabe von Lovis Corinths „Por­trait Alfred Kerr“ an die Erben des jüdischen Vorbesitzers Robert Graetz nicht empfohlen. Das Gemälde aus dem Jahr 1907, das 1956/57 von den Staatlichen Schauspielbühnen Berlin erworben wurde, befindet sich im Bestand der Stiftung Stadtmuseum Berlin. Corinth malte es zum vierzigsten Geburtstag des Berliner Kritikers Alfred Kerr.

          Rose-Maria Gropp
          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Spätestens seit 1926 ge­hörte es dem Architekten Leo Nachtlicht, von dem es Robert Graetz möglicherweise 1932 erwarb. Graetz wurde 1942 in das Konzentrations­lager Trawniki deportiert und am 31. Dezember 1945 für tot erklärt. Zuvor hatte er sein Villengrundstück in Berlin an die SS verkaufen müssen. Teile des Hausrats und Kunstobjekte wurden versteigert; Corinths Gemälde war nicht darunter. Sein Verbleib war unklar, bis es 1956 von den Kindern der ebenfalls von den Nationalsozialisten verfolgten Gertrud Kahle auf dem Kunstmarkt angeboten wurde.

          Vier Verfolgungsschicksale

          Die Umstände, wie das Bild in ihre Familie kam, sind nicht hinreichend zu klären. Gertrud Kahle hatte das Konzentrationslager Theresienstadt überlebt, nahm sich aber im November 1945 das Le­ben. Nach einer Einigung zwischen den Erben von Robert Graetz und Gertrud Kahle wurde der Kauf durch das Schiller Theater 1957 abgeschlossen. Nach Auffassung der Beratenden Kommission ist angesichts der komplizierten Situation „nicht mit hinreichender Wahrscheinlichkeit dargetan“, dass das Bild „Robert Graetz verfolgungsbedingt entzogen wurde“ und er der Primärgeschädigte war.

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          Denn auch Leo Nachtlicht und seine Frau waren den Repressionen des NS-Staats ausgesetzt. Es ist nicht auszuschließen, dass ihnen das „Por­trait Alfred Kerr“ NS-verfolgungsbedingt entzogen wurde. Nachtlicht starb 1942 im Jüdischen Krankenhaus Berlin; seine Frau Anna wurde nach Riga deportiert und ermordet. Zudem stehe der 1957 geschlossene Vergleich einer Rückgabe an die Erben von Robert Graetz entgegen.

          Ab­schließend legt die Beratende Kommission „Wert auf die Feststellung, dass das Gemälde auf bedrückende Weise mit drei ­ – nimmt man den Por­trätierten hinzu, mit vier ­ – Verfolgungsschicksalen verknüpft ist. Die Familien von Alfred Kerr, Leo Nachtlicht, Robert Graetz und Gertrud Kahle waren sämtlich Opfer der na­tionalsozialistischen Verfolgung. Sie wurden unterdrückt, beraubt, de­por­tiert, in die Flucht getrieben oder er­mordet“. Diese Provenienz möge das Museum im Umgang mit Corinths Gemälde künftig angemessen wür­digen.

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