https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst-und-architektur/ruangrupa-wird-als-maechtigster-einfluss-der-kunstwelt-eingestuft-18501920.html

Ruangrupa an der Spitze : Machtfrage

We are the champions: Ruangrupa, hier auf einem Foto von der Eröffnung der diesjährigen Documenta, sind angeblich der wichtigste Einfluss auf die internationale Kunstwelt. Bild: dpa

Jedes Jahr kürt die Zeitschrift „ArtReview“ die einflussreichsten Persönlichkeiten der Kunstwelt. Diesmal an der Spitze: Ruangrupa. Nach all den Skandalen und Peinlichkeiten um die Documenta.

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          Power 100“. Schlagkräftiger kann man eine Liste nicht be­titeln, als es Jahr für Jahr das englische Magazin „ArtReview“ tut, wenn es die hundert einflussreichsten Menschen in der internationalen Kunstwelt bestimmt. Wobei es sich um viel mehr Beeinflusser handelt, denn auf „Power 100“ finden sich auch sechs Künstlerkollektive, vier davon unter den ersten 25 Plätzen, und ganz oben steht ein Kollektiv, das bekanntlich so groß ist, dass es selbst nicht mehr weiß, wer was von seinen Werken gemalt hat: Ruangrupa. Die indonesische Künstlergruppe stand, seit sie 2019 dazu bestimmt worden war, die Documenta 15 zu kuratieren, immer unter den ersten zehn, aber nun, nachdem sie die Documenta 15 kuratiert und beinahe zugrundegerichtet hat, soll sie also die Nummer eins sein.

          Warum? Weil – „relevant for this year’s number one“ – Ruangrupa den eingeladenen Künstlern erlaubt habe, „für sich selbst durch ihre Kunst zu sprechen und sich ihr eigenes Regelwerk zu geben“. Der erste Grund ist eine Banalität, der zweite eine Absage ans Kuratieren. Klar, so etwas macht wichtig in der Kunstwelt unserer Tage: Dumm und dreist, das passt zusammen. Aber dann kommt von „ArtReview“ doch noch so etwas wie eine ernsthafte Begründung für die Spitzenposition von Ruangrupa: Die Arbeit des Kollektivs in Kassel sei überschattet gewesen von der an­haltenden deutschen Diskussion über dort ausgestellte antisemitische Kunst, wodurch „positivere Einschätzungen von Ruangrupas großer, vielstimmiger, chaotischer und geselliger Versammlung künstlerischer Stimmen aus dem globalen Süden“ verhindert worden seien.

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