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Rückgabe von Kulturgut : Franz Marcs „Füchse“ verlassen Düsseldorf

Noch befindet sich Franz Marcs Gemälde „Füchse“ (1913) im Besitz der Stadt Düsseldorf. Bild: dpa

Entscheidung in einem umstrittenen Restitutions-Verfahren: Der Stadtrat von Düsseldorf beschließt die Rückgabe des Gemäldes „Füchse“ von Franz Marc an die Erben seines ehemaligen Besitzers.

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          Der Stadtrat von Düsseldorf hat am späten Donnerstagnachmittag einstimmig entschieden, Franz Marcs Gemälde „Die Füchse“ aus dem Jahr 1913 an die Nachkommen des früheren Besitzers zu restituieren. Mit dieser Entscheidung folgt der Stadtrat einer Empfehlung, die von der Beratenden Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts insbesondere aus jüdischem Besitz, kurz „Limbach-Kommission“ nach ihrer ersten Vorsitzenden genannt, am 26. März veröffentlicht wurde. Seit 1962 steht das bedeutende Bild im Eigentum der Stadt Düsseldorf, der es der Kaufhausunternehmer Helmut Horten geschenkt hat, und wird im dortigen Museum Kunstpalast verwahrt.

          Rose-Maria Gropp
          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Die Beratende Kommission folgt der Washingtoner Erklärung von 1998, nach deren Grundsätzen sich Staaten verpflichtet haben, durch den Kunstraub der Nationalsozialisten geschehenes Unrecht – auch nach Ablauf der gesetzlichen Anspruchspflichten – möglichst wiedergutzumachen mit einer „gerechten und fairen Lösung“. Die Empfehlungen der Kommission sind rechtlich nicht bindend.

          Im aktuellen Fall entschied sich die Beratende Kommission für die Anerkennung des Restitutionsgesuchs der Erben des jüdischen Unternehmers Kurt Grawi, der 1938 einige Wochen im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert war. 1939 wanderte er nach Chile aus. Marcs „Füchse“ hatte Grawi nach New York verbringen können. 1940 verkaufte er das Gemälde in den Vereinigten Staaten. Die Empfehlung der Kommission erging nicht einstimmig, sondern mit sechs gegen drei Stimmen. Nach ihrer Veröffentlichung war sie nicht unumstritten. In der deutschen Presse wurde mehrfach, auch von Juristen, darauf hingewiesen, dass die Veräußerung des Kunstwerks nicht in Deutschland stattfand, sondern im Ausland. Nach der bisherigen Praxis der Beratenden Kommission führte ein solcher Verkauf außerhalb Deutschlands, mithin außerhalb des einstigen nationalsozialistischen Machtbereichs, nicht zu einer Rückgabeempfehlung im Sinne der angestrebten fairen und gerechten Lösung.

          Mit ihrer Empfehlung, Marcs „Füchse“ an die Erben von Grawi zu geben, hat sich die Beratende Kommission als quasi mediatorische Instanz entschieden, von der bisher gültigen Praxis abzuweichen. Die Stadt Düsseldorf ist ihr darin gefolgt. Es liegt nun bei der Politik, wieder Sicherheit herzustellen über die künftige Funktion des Gremiums. Denn ebenso, wie die Washingtoner Erklärung auf Freiwilligkeit beruht, kann auch die Beratende Kommission nur mit der Zustimmung beider Seiten aktiv werden: derjenigen, die eine Rückgabe anstrebt, und derjenigen, bei der sich das betreffende Kunstwerk zum Zeitpunkt eines Gesuchs befindet. Davon sind bislang überwiegend die deutschen Museen betroffen. Sie werden durch die jüngste, von vielen nicht erwartete Entscheidung gewiss nicht zu dieser notwendigen Zusammenarbeit ermutigt.

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