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Rembrandt im Städel : Ein großes Maß an Ich

Auf Rembrandts Tronie „Mann mit Federbarett“ wirft nicht nur der Ohrring Schatten, auch die Signatur wird verschattet. Bild: Städel

Einfach mal vergleichen: Was konnte er, das andere nicht konnten? Das Frankfurter Städel zeigt den Aufstieg Rembrandts und fragt nach den Gründen.

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          An Rembrandt-Ausstellungen fehlte es in den vergangenen Jahren wahrlich nicht. Im Umfeld seines 350. Todestages im Jahr 2019 wartete nicht nur Amsterdam mit einer riesigen Retrospektive auf. Muss nun noch eine Schau in Frankfurt wirklich sein? Die Ausstellung im Städel aber setzt viel früher und anders an als die bisherigen: Wie wurde der 1606 in Leiden geborene Rembrandt Harmenszoon van Rijn jenes Künstler-Unikum, das ab 1633 ungewöhnlicherweise nur noch mit dem Vornamen firmierte? Wie also entwickelte er sich zu diesem unverkennbaren Markenzeichen, neudeutsch „Branding“?

          Stefan Trinks
          Redakteur im Feuilleton.

          Das Städel untersucht den raketenhaften Aufstieg des Künstlers ab dem Jahr 1630 und leuchtet die Bedingungen des endgültigen Durchbruchs gegen starke Konkurrenten bis Mitte der Dekade nach 1650 aus. Von der Anzahl ihrer Bildbelege für die Grundthese kann sich die Ausstellung mit den großen Jubiläumsschauen messen: Sechzig, bei diesem biographischen Thema notwendigerweise fast durchgängig eigenhändige Kunstwerke Rembrandts, darunter etliche selten gesehene aus der kooperierenden National Gallery of Canada in Ottawa, aus Washington und Los Angeles, werden mit noch einmal achtzig Bildern der damaligen Konkurrenz verglichen.

          Reale Frauen mit echten Gefühlen

          Denn warum das Marke-Werden für Rembrandt und seine Zeitgenossen unumgänglich war, ist ökonomisch schnell zu sehen: Die nördlichen Niederlande waren in ihrem „Goldenen Zeitalter“ des siebzehnten Jahrhunderts, das für die Geber des immensen Reichtums weit weniger golden war, nicht nur der bedeutendste Handelsumschlagplatz in Europa; sie waren auch der größte Kunstmarkt der Welt. Im Schnitt siebzigtausend Bilder jährlich wurden in dem überschaubaren Land in Bildmanufakturen hergestellt und weltweit – natürlich auch an die eigenen märchenhaft reichen west- und ostindischen Kolonialherren – verkauft. Um unter diesem gigantischen Angebot aufzufallen, das in den Verkaufsgalerien der Zeit teils in acht Reihen dicht an dicht übereinanderhing und – wie ein besonders interessantes Bild der Ausstellung zeigt – auch direkt neben dem Ausgang des Amsterdamer Börsengebäudes an euphorisierte Broker verkauft wurde, mussten Künstler Besonderes leisten.

          Was Rembrandt dabei von heutigen Krawallbrüdern des Brandings wie Jeff Koons oder Damian Hirst unterscheidet, ist in erster Linie die Liebe: Mit unbedingter Hingabe schildert und umschmeichelt er etwa die Frauen in seinen Bildern derart glaubwürdig, dass die paritätisch beim Kauf mitentscheidenden Amsterdamerinnen der Oberschicht (im Kapitel „Spitzenauswahl für anspruchsvolle Kundinnen“ charmiert) eine treibende Kraft der Bildverkäufe werden. All die starken und von Rembrandt nicht als Hexen diffamierten Delilas (in der grandiosen Frankfurter „Blendung Simsons“ mit echtem Entsetzen), die immer wieder in verschiedensten Bildstoffen eingesetzten Gesichter seiner Partnerinnen Saskia van Uylenburgh und Hendrickje Stoffels, erst recht die zahlreichen Rebeccas, Saras (das intime „Sara/Hendrickje erwartet Tobias“ aus Edinburghs Nationalgalerie), Judiths und Rahels, sie finden regste Nachfrage, weil sie vertraute Gesichter echter Frauen sind.

          Bleibt in der Familie: Auch auf Rembrandts „Judith vor dem Bankett des Holofernes“ von 1634 trägt die alttestamentliche Heroine unübersehbar die Züge seiner Partnerin. Bilderstrecke
          Rembrandt-Ausstellung : Das Frankfurter Städel zeigt den Aufstieg des Künstlers

          Eine ebenso große Passion hegt Rembrandt bekanntlich für Stoffe und Gewänder, die er mit verwehenden Konturen und Binnenlinien in ineinanderfließenden Farben schwärmerisch auf die Leinwand wirft – und hat damit Glück: Was vielen anderen Künstlern von den calvinistisch erbsenzählerischen Auftraggebern als verschwommene Schluderei nicht abgenommen worden wäre oder quälend oft hätte nachgebessert werden müssen, wird Rembrandt nicht nur durchgelassen, sondern zum markigen Alleinstellungsmerkmal. Mit einer vielsagenden Ausnahme: 1632 erhält er den renommeeträchtigen Auftrag für ein Porträt der mächtigen Amalia von Solms. Rembrandt konterfeit die Gattin des Statthalters mit leicht angegrautem Blondhaar und verkniffenen Mundwinkeln im Vollprofil, was jedem Bildnis etwas strenges verleiht und Amalias winzigen, aber offenkundig ungeliebten Höcker auf der Nase sichtbar macht. Zugleich aber setzt er das Licht auf Gesicht, filigraner Perlenkette und auf dem mehrlagigen Spitzenkragen über schwarzem Gewand sehr liebevoll.

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