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Wissenschaftszenrum Uni Passau : Grün vor den Grünen

Passau blickt voraus: Das Internationale Wissenschaftszentrum von Riepl & Riepl Architekten aus Linz soll ein Leuchtturm der bayerischen Hightech-Agenda werden. Bild: Decorated Shed e.U./Riepl Riepl

Ein Internationales Wissenschaftszentrum soll Altstadt und Universität verzahnen. Ein Blick in die Baugeschichte des Campus offenbart visionäre Entscheidungen.

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          Ist ein konzerttauglicher Hörsaal ein gebautes Pendant zur eierlegenden Wollmilchsau? Hoffentlich nicht, denn ein solcher Saal wird das Herz des neuen Internationalen Wissenschaftszentrums der Universität Passau bilden. Um zu verkünden, wer den Sieg im Architekturwettbewerb davongetragen hat, kamen am vergangenen Wochenende gleich zwei Minister nach Niederbayern. Kultusminister Bernd Sibler und Kerstin Schreyer, Ministerin für Wohnen, Bau und Verkehr.

          Hannes Hintermeier
          Feuilleton-Korrespondent für Bayern und Österreich.

          Das Linzer Büro Riepl & Riepl hat sich am Ende in einem nicht offenen ­Realisierungswettbewerb gegen neununddreißig ausgeloste Mitbewerber durchgesetzt. Zuletzt sogar vor dem Verwaltungsgericht, weil der zweite erste Sieger, das Leipziger Büro W&V, eine Nachprüfung des Vergabeverfahrens angestrengt hatte.

          Warum hat man auf Peter Haimerl verzichtet?

          Nun bauen also die Linzer, und in Passau fragt sich mancher, warum man den international beachteten Star der Region, Peter Haimerl, der zuletzt mit dem Konzerthaus Blaibach und dem Haus ­Marteau in Lichtenberg ungewöhnliche Konzertsäle entworfen hat, nicht aufgefordert hat, teilzunehmen. Immerhin bekommt die Hightech-Agenda des Freistaats nun einen neuen Mosaikstein, die Stadt Passau einen städtebaulichen Leuchtturm und die Universität dreiundvierzig Jahre nach ihrer Gründung eine substanzielle Erweiterung.

          Das Wissenschaftszentrum am Kleinen Exerzierplatz wird zwischen dem im späten elften Jahrhundert gegründeten Nikolakloster, das heute auch Räume der Universität beherbergt, und dem hanglagigen Gelände der Löwenbrauerei, deren Neo-Renaissance-Bau aus dem neunzehnten nebst Betriebsgebäude aus dem zwanzigsten Jahrhundert den Spitzberg dominiert, ein Scharnier sein. Fünftausend Quadratmeter Nutzfläche, Baukosten rund hundert Millionen Euro. Baubeginn Mitte 2023, Fertigstellung 2027, alles versehen mit den üblichen Corona-Fragezeichen.

          Ein Konzertsaal, auf den viele hofften

          Ein viergeschossiger Riegel, den die mit Riepl & Riepl arbeitenden Landschaftsarchitekten Auböck + Kárász in den Hügel hineinschieben, um sich ebenerdig dem Platz zu öffnen. Büros, Seminar- und Probenräume in den Obergeschossen, und über allem thront der Hörsaal, der nun auch jenen Konzertsaal geben muss, auf den die Passauer schon seit Jahrzehnten hoffen. Nicht zuletzt das Festival Europäische Wochen hat immer wieder einen solchen Saal herbeigesehnt.

          Diese für Passau so wichtige Entscheidung wird begleitet von einer historischen Tiefenbohrung, die den Blick auf die Gründungsjahre der einzigen Universität Niederbayerns lenkt – und Erstaunliches zutage fördert. Ein Archivfund brachte die Dinge ins Rollen. Jörg Tremp­ler, Professor für Kunstgeschichte und Bildkunst an der Universität Passau, stieß auf ein filigran gearbeitetes hölzernes Modell aus den Siebzigerjahren, das die Altstadt und die damals noch in Planung sich befindende Anlage des Universitätscampus topographisch exakt wiedergibt.

          Trempler vertiefte sich mit seinen Studenten in die Wettbewerbs- und Baugeschichte und erarbeitete eine Ausstellung, die noch bis Ende des Monats im Museum am Dom zu sehen ist. Der Blick auf den Dom, die Dombauhütte und die Altstadt bringt die damals virulente Frage wieder in Erinnerung: Wie kann man an eine zweitausend Jahre alte Stadt ein modernes Univiertel so angliedern, damit beide Parteien etwas voneinander haben? Dabei musste man sich damals schon mächtig ins Zeug legen, um überhaupt durch Eingemeindungen jene fünfzigtausend Einwohner nachzuweisen, die nötig waren, um in den Rang einer Universitätsstadt aufzusteigen. Ursprünglich auf viertausend Studenten ausgelegt, sollte die Zahl nicht wesentlich über fünftausend steigen, ein Zehntel der Stadtbewohner, das schien eine vernünftige Größe.

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