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Was darf die Kunst? : Das Leiden anderer betrachten

Taube auf dem Stacheldraht, der das Gefängnis Abu Ghraib in Bagdad umgibt: Foto aus dem Sommer 2006 Bild: picture-alliance/ dpa

Irakische Künstler der Berlin-Biennale protestieren gegen ein Werk, das die Opfer der Kriegsverbrechen von Abu Ghraib abbildet. Was darf Kunst zeigen – und zu welchem Zweck?

          5 Min.

          Von den großen Kunstausstellungen, die zurzeit in Deutschland stattfinden, erfährt die Welt in diesem Sommer vor allem in Form von öffentlichen Protestbriefen. Nach zahlreichen Antisemitismus- und Rassismusvorwürfen, Solidaritätsbekundungen und öffentlichen Rücktrittsforderungen bei der Documenta ist nun auch die in den Medien eigentlich hochgelobte Berlin-Biennale zum Ge­genstand einer Debatte geworden. In ei­nem offenen Brief, der in der ameri­ka­nischen Kunstzeitschrift „Artforum“ veröffentlicht wurde, kritisiert eine Gruppe um die in Bagdad geborene Autorin und Künstlerin Rijin Sahakian eine Arbeit des 86-jährigen, in Paris geborenen Künstlers Jean-Jacques Lebel, die in Berlin im Hamburger Bahnhof gezeigt wird.

          Niklas Maak
          Redakteur im Feuilleton.

          Lebel hat Aufnahmen von Irakern, die in dem berüchtigten Gefängnis Abu Ghraib von Amerikanern gefoltert und getötet wurden, vergrößert und auf Stoffbahnen ge­druckt, die er zu einem Labyrinth ar­ran­giert; der Betrachter muss sich quasi distanzlos durch die Aufnahmen be­wegen, darunter ein Bild des amerikanischen Soldaten Charles Graner, der grinsend mit erhobenem Daumen neben der Leiche des Gefangenen Manadel al Jamadi posiert, der im Lauf eines Verhörs getötet wurde, und weitere Fotografien, auf denen etwa die Soldatin Lynndie England einen Gefangenen an einer Hundeleine hält und an­dere sexuell erniedrigt.

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