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Open Art : Zieht die Art Basel nach München?

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Die bayerische Stadt ist zum Scherzen aufgelegt und kann es sich erlauben: 64 Galerien eröffnen gemeinsam ihre Ausstellungen und feiern damit ihre Stärke.

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          Coming soon - Gagosian“ steht auf einem noch zugeklebten Schaufenster mitten im Münchner Kunstareal. Was denn, der Bulldozer im internationalen Galeriewesen erweitert das Netz seiner Dependancen um einen Standort an der Isar? Der kleine Scherz, dessen Urheber unter „Eyes Only“ firmiert, phantasiert in der zugehörigen E-Mail vom Aufstieg der Stadt ins „Epizentrum des internationalen Kunstmarktes neben New York und London“. Als natürliche Konsequenz des Zuzugs einer Megagalerie würden deren weitere folgen, bald prägten Riesenskulpturen von Hirst und Koons das Straßenbild, Sammler kämen aus den GolfStaaten angereist, und schließlich eröffnete sicherlich die Art Basel Munich. Zum Glück droht nichts dergleichen, und die lustige Aktion verweist indirekt auf den Vielfalt und Reichtum einer Szene, der nicht weniger als vierundsechzig Galerien für zeitgenössische Kunst angehören, zusammengeschlossen in einem Verbund, der den vielerorts aufgegriffenen gemeinsamen Saisonstart erfand. An diesem Wochenende findet die Münchner „Open Art“ zum sechsundzwanzigsten Mal statt. Wenn das Wetter mitmacht, werden wieder dichte Ameisenstraßen aus Menschen durch die einschlägigen Viertel ziehen und dabei viel junge Kunst entdecken.

          Zum Beispiel einen der jüngsten Künstler dieser Runde, den 1986 geborenen Josef Knoll, Nochstudent an der Münchner Akademie. Für seine Plotterzeichnungen greift er auf barocke Vorbilder zurück, genauer auf den „Homo Perfectus“, den die 1747 veröffentlichte Kupferstichserie des Anatomen Bernhard Siegfried Albinus in immer gleicher Haltung bei Schicht um Schicht bis zum Skelett abgetragener Fleisch- und Muskelhülle vor wechselnden Hintergründen abbildet. Mit Scanner, 3D-Programm und Zeichenmaschine rückt Knoll dem Menschenbild des Computerzeitalters zu Leibe; seinen gar nicht mehr perfekten, gelöcherten und aufgeschnittenen Homo stellt er auf Hochhäuser und Panzer und lässt kleine Figuren auf nahezu surreale Weise an ihm manipulieren. (Die Blätter kosten je 2200 Euro. Bis zum 24. Oktober.)

          Auch Martin Wöhrl arbeitet mit Fundstücken, jedoch mit realen Objekten, die er verwandelt. Seine neueste Serie „Cats“, grafisch geometrisch übermalte Plattencover, könnte als seine persönliche „Hommage to the Square“ durchgehen, als Verneigung vor konstruktiver Malerei in augenzwinkernder Verknüpfung mit den originalen Plattentiteln. So wurden „Tristan und Isolde“ zu zwei blauen Rechtecken auf weißem Grund. (Je 2000 Euro. Bis zum 31. Oktober.)

          Bei Rüdiger Schöttle gastiert die in London lebende Goshka Macuga, Teilnehmerin der Documenta 13 und international gefragte Analytikerin der Herstellung und Präsentation von Kunst. Sie zeigt Arbeiten, die zur Ausstattung ihres für die jüngste Berlin Biennale geschaffenen und mit einer Videoarbeit dokumentierten Theaterstücks gehörten. Macuga legte eine Komödie zugrunde, die der Kunsthistoriker Aby Warburg für ein Familientreffen schrieb. Es ist ein Disput zwischen dem konservativen und dem avantgardistischen Lager der damaligen Kunstszene, den die Künstlerin amüsant auf die heutigen Verhältnisse umgeschrieben hat. (Bis 8. November.)

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