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Österreich : Bildhauer Alfred Hrdlicka ist tot

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Einer der bedeutendsten zeitgenössischen Bildhauer Österreichs ist tot. Alfred Hrdlicka starb im Alter von 81 Jahren in Wien. Sein Werk umfasst viele Skulpturen, Zeichnungen und Grafiken, die sich mit Krieg, Gewalt und Faschismus auseinandersetzen.

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          Alfred Hrdlicka, einer der bedeutendsten zeitgenössischen Bildhauer, Maler und Zeichner, ist am Samstag im Alter von 81 Jahren gestorben. Im Mittelpunkt seines Werks standen immer wieder die Themen Krieg, Gewalt und Faschismus. Die Arbeiten des auch international stark beachteten österreichischen Künstlers faszinierten und polarisierten. Auch in politischen Debatten meldete sich der streitbare Künstler und Kommunist immer wieder zu Wort.

          Der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer würdigte Hrdlicka als eine große Künstlerpersönlichkeit und einen herausragenden Bildhauer. Bereits als Kind habe Hrdlicka die Schrecken des Faschismus erlebt, „was zur Folge hatte, dass er sich Zeit seines Lebens gegen Faschismus und Antisemitismus engagierte“, erklärte Fischer laut einer Meldung der Nachrichtenagentur APA. Österreich verliere „eine große Künstlerpersönlichkeit“. In Wien sei mit Hrdlickas Mahnmal auf dem Albertinaplatz ein bleibender Gedenkort gegen Krieg und Gewalt geschaffen worden.

          „Sensibler Berserker“

          Hrdlicka galt als „sensibler Berserker“, bezeichnete sich selbst als „Fossil“, „Steinzeitmenschen“ und „Untergrundmenschen“ und unterzeichnete Briefe gerne mit „Ultrastalinist“, wie APA meldete. Die Aufstellung seiner Skulpturen im öffentlichen Raum war meist von heißen Diskussionen begleitetet: 1963 erregten sich die Gemüter in Salzburg, nachdem sein „Orpheus“ für das Kleine Festspielhaus angekauft worden war. 1967 versammelte sich eine „Liga gegen entartete Kunst“ zum Protest gegen das in Wien enthüllte „Renner-Denkmal“ Hrdlickas.

          In Deutschland entstand 1970 für ein Evangelisches Gemeindezentrum in Westberlin der „Plötzenseer Totentanz“. In Hamburg sorgte sein monumentales „Gegendenkmal“ zum Krieger-Ehrenmal für Diskussionen.

          Hrdlicka soll zwar „Turteltaube“ heißen, doch zahm und sanft sei der Künstler weder in seinen Themen noch in der Wahl seiner Materialien gewesen, berichtete APA. So sei auch noch das im Laufe des Präsidentenwahlkampfes 1986 von Hrdlicka geschaffene hölzerne „Pferd für Kurt Waldheim“ in deutlicher Erinnerung.

          Schönborn lässt Hrdlickas „Letztes Abendmahl“ abhängen

          Im Alter wurde Hrdlicka keineswegs leiser. Erst im Vorjahr polarisierte die Ausstellung „Religion, Fleisch und Macht - das Religiöse im Werk von Alfred Hrdlicka“ im Wiener Dommuseum, es gab Anfeindungen aus der ganzen Welt. Kardinal Christoph Schönborn bezeichnete Hrdlicka zwar als einen der bedeutendsten lebenden Künstler Österreichs, ließ aber dessen Version des „Letzten Abendmahls“ prompt abhängen.

          Die österreichische Bildungs- und Kunstministerin Claudia Schmied würdigte Hrdlicka als „Titan der internationalen Kunst“. „Sein Werk war immer mehr als Erinnerung und Mahnung gegenüber historischem Unrecht. Er verstand seine Kunst auch als politischen Auftrag, den er selbst immer auch lebte.“ Hrdlicka wurde am 27. Februar 1928 in Wien geboren. Nach einer Zahntechnikerlehre studierte er an der Akademie der bildenden Künste zunächst Malerei, bevor er sich dann stärker der Bildhauerei zuwandte. 1964 war er Vertreter Österreichs auf der Biennale in Venedig. Professuren führten ihn an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, die Hochschule für bildende Künste Hamburg, die Hochschule der Künste Berlin und schließlich 1989 an die Universität für angewandte Kunst Wien. Ehrungen nahm Hrdlicka prinzipiell nicht an.

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