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Kunstaktion : Freiheit für Nofretete!

  • -Aktualisiert am

Eine zweite Büste der ägyptischen Königin sei gefunden worden, meldete Ägyptens größte Zeitung. Der Fund war jedoch Teil einer Kunstaktion, die Museen und Kunstmarkt für deren Umgang mit Antiken kritisiert.

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          Der Film dauert 47 Sekunden, aufgenommen mit einer Handykamera an einem düsteren Schauplatz. Eine Taschenlampe leuchtet auf eine Büste auf sandigem Steinboden, die dort seitlich liegt und ebenfalls überzogen ist von Sand. Die Kamera nähert sich, Hände greifen nach der Büste, drehen sie - und man blickt der Nofretete ins Gesicht.

          Die Originalbüste der Nofretete wurde 1912 bei Ausgrabungen der Deutschen Orient-Gesellschaft in Ägypten entdeckt und nach Deutschland gebracht. Dass sie noch heute der Stiftung Preußischer Kulturbesitz gehört, wurde in Ägypten immer wieder kritisiert.

          „Was ist, wenn der Kopf echt ist, wenn das eine zweite Nofretete ist?“, fragte nun die Zeitung „Al-Ahram“. Sie wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, dass zwei Künstler aus Berlin, Nora Al-Badri und Jan Nikolai Nelles, ein paar Wochen zuvor von Kairo aus in die Wüste gefahren waren und dass sie in einem Dorf am Rand der Sahara stundenlang Tee mit Bauern getrunken hatten, bis sie zwei von ihnen überzeugen konnten, als Laienschauspieler zu agieren, um das, was die beiden Deutschen im Gepäck hatten, vor einer laufenden Handykamera ein- und wieder auszugraben: eine Replik der Nofretete.

          Das fertige Video stellten die Künstler ins Netz und schickten den Link mit einer Erklärung an Monica Hanna, Ägyptens renommierteste Archäologin, die vor allem berühmt ist für ihren Kampf gegen die Raubgräberei und die private Aneignung von Antiken. Das Unterfangen der beiden Künstler aus Deutschland überzeugte Hanna, sie wollte sie unterstützen - und wies die Zeitung „Al-Ahram“ auf das Video hin, das sie angeblich im Netz gefunden hatte.

          Nicht legal, aber ethisch korrekt

          Al-Badri und Nelles sitzen auf Plastikstühlen in einem Hinterhof in Kairo nahe dem Tahrir-Platz. Am Tisch hinter ihnen ein Mann mit weißen Haaren in Tweed-Anzug und einem Hemd, dessen Kragen genauso vergilbt wirkt wie die Zeitung, in der er blättert. Am Tisch daneben Jugendliche in T-Shirts und Turnschuhen, darunter eine Frau, die immer wieder ihr Kopftuch hebt, um das Smartphone ans Ohr zu schieben. Alle rauchen Wasserpfeife, der süßliche Geruch vertreibt den Smog der Straße. Al-Badri und Nelles trinken Tee aus kleinen Gläsern. „Laut Monica Hanna ist das, was wir tun, zwar nicht legal, aber ethisch korrekt“, sagt Nelles.

          In Ägypten wird nun besorgt gerätselt, ob sich die Büste aus dem Video noch im Land befinde oder ob sie bereits auf dem internationalen Sammlermarkt gehandelt werde. Und so scheint zu funktionieren, was die beiden mit ihrem Video, mit der Irritation, die es nun auslöst, erreichen wollen. Erstens zeigten Wissenschaftler und Museen im Westen nach ihrer Meinung immer noch eine koloniale Attitüde im Umgang mit dem ägyptischen Kulturerbe, die sich gerade am Fall der Nofretete offenbare.

          Das Neue Museum in Berlin untersagt Besuchern, sie zu fotografieren, und verbietet, ihr echtes Abbild zugänglich zu machen. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz produziert zwar in seltenen Fällen selbst Repliken der Nofretete, aber nur, um sie für hohe Summen an Privatleute zu verkaufen. Außerdem sind diese Repliken nie ganz originalgetreu, die Daten zur Form des Originals werden auch nicht herausgegeben. „Das Berliner Museum monopolisiert die Büste und führt damit eine imperiale Praxis fort, statt der Öffentlichkeit und gerade den Ägyptern Zugang zur Nofretete zu gewähren“, sagt Nelles.

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