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Christian Jankowski : Reden wir über Kunst, Nina Hoss

  • -Aktualisiert am

Wie es dazu kam, weiß Nina Hoss selbst nicht so genau. Jedenfalls kuratiert die Schauspielerin jetzt eine Ausstellung. Kein Interview über die Schaubühne, Petzold-Filme oder „Homeland“, sondern eines über den Künstler Christian Jankowski.

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          Ich spreche heute mit Ihnen als der Kuratorin des Künstlers Christian Jankowski, der vor allem für seine Videoarbeiten bekannt ist. Wie kam das überhaupt?

          Ich weiß es selber nicht ganz genau. Es ging alles relativ schnell und sehr spontan. Was, wie ich im Nachhinein feststelle, auch viel mit Christians Arbeit zu tun hat. Also, Christian Jankowski hat die Galerie gewechselt, weil seine ursprüngliche geschlossen hat, soviel ich weiß. Er hat eine neue Galerie, CFA in Berlin, und für die wiederum ist es das erste Mal, dass sie einen Videokünstler ausstellen. Und sie hatten wohl die Idee, für die erste Ausstellung aufzunehmen, was sich in seiner Arbeit wiederfindet: dass man ein Spiel betreibt - mit der Kunst, aber auch mit dem Kunstbegriff, dem Kunstmarkt, mit der Vermarktung von Kunst, also dass man schon allein in der Ankündigung eine kleine Irritation hat und Aufmerksamkeit schafft. Und da die Ausstellung gleichzeitig mit der Berlinale läuft, kam wohl die Idee auf, dass eine Schauspielerin kuratieren solle. Und ich habe spontan ja gesagt.

          Inwieweit waren Sie denn vorher schon mit Jankowskis Werk vertraut?

          Ich kannte „Die Jagd“, ich weiß gar nicht woher. Aber das ist hängengeblieben: Jemand schießt sich im Supermarkt mit Pfeil und Bogen seinen Einkauf zusammen. Und lässt es vollkommen unkommentiert.

          Und geht dann aber an die Kasse und zahlt.

          Ja, er muss zahlen. Das System holt dich am Ende immer ein - egal, wie wild du vorher drin rumfuhrwerkst. Die Kassiererin guckt die Waren an und denkt wohl, na ja, ob da nun ein Pfeil drin steckt oder nicht: Wenn Sie die Produkte mitnehmen wollen, müssen Sie sie bezahlen. Diese Arbeit ist mir einfach im Gedächtnis geblieben.

          Das ist auch seine bekannteste, oder?

          Jetzt im Nachhinein, wo ich seine Arbeiten nahezu auswendig kenne, würde ich das vielleicht nicht mehr so sagen, aber es ist auf jeden Fall eine, an die man sich erinnert. Weil sie so prägnant ist. Ich wurde also gefragt, ob ich das machen wolle, und sei es auch nur, um das Spiel zu spielen, dass man sich fragt, wie kommt denn das jetzt zustande, haben sie etwa zusammen einen Film gedreht? Und die Galeristen haben am Anfang beschwichtigend zu mir gesagt, ich müsse ja auch gar nichts machen im Grunde. Aber ich dachte mir, na wenn schon, dann richtig. Wenn auf dem Plakat steht, ich kuratiere, dann kuratiere ich auch. Was natürlich trotz allem in Zusammenarbeit geschieht, ist klar.

          Mit der Galerie.

          Auch. Aber hauptsächlich mit Christian. Wir haben uns ein paar Mal getroffen, ich habe mir seine 120 Filme angeguckt.

          Wie war die erste Begegnung?

          Ungezwungen, offen: Wir sind beide neugierige Menschen und wurden hier auf einmal zusammengewürfelt und gucken jetzt mal, was dabei rauskommt, so. Als ich dann allerdings seine Arbeiten alle gesehen hatte und wir uns zum ersten Mal zu einem Arbeitsgespräch wiedertrafen, hatte ich tatsächlich so etwas wie einen Fan-Moment. Jankowski taucht in vielen seiner Videos selbst auf, und ihn dann leibhaftig vor mir zu haben, hat mich kurz richtig nervös gemacht.

          Die Ausstellung ist eine Retrospektive. Normalerweise Sache von Museen, bei Jankowski halt mal in einer Galerie. Was genau macht da jetzt eine Kuratorin?

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