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Musée de l’Homme in Paris : Geruch auf Knopfdruck

Schauend, tippend, lauschend und sogar schnuppernd durch die Naturgeschichte der menschlichen Kultur: Das Pariser Musée de l’Homme hat nach sechs Jahren Umbauarbeit wieder eröffnet.

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          Ein Museum ist neu zu besichtigen, das seit seiner Eröffnung im Sommer 1938 Epoche gemacht hat: das Musée de l’Homme. Schon der Name war damals neu und ersetzte die alte Bezeichnung Musée d’Ethnographie. An der Verwirklichung des Konzepts, das mit ihm einherging, hatte dessen Leiter Paul Rivet damals schon einige Jahre gearbeitet. Er wollte eine vor allem anatomisch-physiologisch geprägte Anthropologie und Prähistorik mit allen Spielarten ethnographischer, also an kulturellen Ausprägungen interessierter Untersuchungen unter ein Dach bringen. Die Dokumentation der biologischen Geschichte und Prähistorie des Menschen sollte sich verbinden mit jener der Ausfaltung kultureller Möglichkeiten menschlicher Gemeinschaften.

          Helmut Mayer
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Weshalb das Muséum National d’Histoire Naturelle, bis heute Träger des Musée de l’Homme, seine „Armee der Skelette“ in das neue Haus transferierte. Das freute zwar viele Mitarbeiter Rivets nicht, die darin ein Zugeständnis an überkommene Traditionen sahen. Aber selbst ein überaus prominenter Verfechter der Ausrichtung der Anthropologie an sozialen Sachverhalten wie Marcel Mauss stand als Mitstreiter Rivets zu dessen Projekt der Zusammenführung verschiedener Forschungsrichtungen und -stile, institutionell betrachtet, sogar auf dem Boden der alten „physischen“ Anthropologie.

          Deren Schädel, Knochen und Objekte kamen zu einem bereits überaus reichen und immer noch wachsenden Bestand ethnographischer Stücke hinzu. Expeditionen wie die von Dakar nach Djibouti, deren Beschreibung Michel Leiris in einem berühmt gewordenen Buch gab, waren damals regelrechte Beutezüge nach Objekten, auch Kolonialbeamte konnten in die Pflicht genommen werden, und außerdem ließen die en vogue gewordenen „primitiven“ Objekte auch Brückenschläge zur Kunstszene und zu Sammlern zu. Man wusste, was man solchem Publikum schuldete: Zum ersten Mal war in ein Museum ein Café integriert.

          Aber die neue Institution hatte auch eine politische Stoßrichtung. Sie sollte nicht nur Forschung ermöglichen, sondern auch ein breites Publikum resistent machen gegen den aufkommenden Rassismus - was damals weder den Gebrauch des selbstverständlichen Konzepts der Rasse ausschloss noch die Empfehlung der neuen Forschungs- und Lehreinrichtung für eine bessere Verwaltung der französischen Kolonien. Mit der politischen Positionierung hing auch zusammen, dass eine der ersten Widerstandsgruppen gegen die deutschen Besatzer sich im Sommer 1940 nicht zuletzt aus Mitarbeitern des Museums rekrutierte (F.A.Z. vom 12. September 2012).

          Etwa sechzig Jahre später, nach einer mit vielen prominenten Forschernamen verknüpften Geschichte, ging dem Musée de l’Homme ein großer Teil seiner Sammlungen verloren. Fast der gesamte ethnographische Bestand wurde dem 2006 eröffneten Musée du quai Branly zugeschlagen, ein kleinerer Teil dem 2013 in Marseille eingerichteten Musée des civilisations de l’Europe et de la Mediterranée. Das Haus im Palais de Chaillot musste seine Position neu bestimmen. Institutionell geschah das dadurch, dass dem Museum zwei von mehreren neugebildeten interdisziplinären Forschungsabteilungen des Muséum National d’Histoire Naturelle - „Vorgeschichte“ und „Menschen, Naturen, Gesellschaften“ - zugewiesen wurden. Und was sich für die museale Präsentation ergab, kann man, nach dem sechs Jahre dauernden Umbau, seit kurzem besehen.

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