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Zum Tod von Dani Karavan : Mit dem Raumgefühl des Bühnenbildners

Nachdenklicher Skulpteur von Geschichte: Dani Karavan 2013 in Berlin. Bild: akg-images / Matthias Reichelt

Entscheidend ist, was die Erinnerung hervorbringt: Zum Tod des israelischen Bildhauers und Land-Art-Künstlers Dani Karavan.

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          Sonnenlicht gehört zu den Elementen, die der Künstler Dani Karavan nach eigener Auskunft für die 1986 fertiggestellte Skulptur Ma’alot (hebräisch für Stufen) neben dem Museum Ludwig in Köln verwendet hat, außerdem Gras, Bäume, Backstein, Eisenbahnschienen, Granit und Gusseisen. Mit den unbelebten Materialien, die er in Quadern zu einem knapp elf Meter hohen Treppenturm stapelte und in geometrischen Formen ins Pflaster einließ, reagierte Karavan auf den Museumsbau, den Dom und den Hauptbahnhof. Mit dem zwischen Ironie und Pathos oszillierenden Hinweis aufs Sonnenlicht wiederum erinnerte er daran, dass die Wirkung eines Freiluft-Kunstwerks den Wechselfällen des Wetters unterworfen ist. Und den Einfällen der Betrachter: Ein israelischer Künstler, der Schienen verwendet – manche Betrachter deuten die Skulptur als Mahnmal für die Opfer des Holocausts.

          Matthias Alexander
          Stellvertretender Ressortleiter im Feuilleton.

          Karavan, der im Jahr 1930 als Sohn polnischer Einwanderer in Tel Aviv geboren wurde und viele Verwandte in der Shoah verlor, wusste, dass solche Assoziationen nahelagen. Er verzichtete darauf, sie zu bestätigen, und ließ sie einfach gelten. Nicht was Erinnerung sei, sondern was sie hervorbringe, sei entscheidend, hat er einmal gesagt.

          In Ma’alot, seinem ersten großen Werk in Deutschland, ist vieles enthalten, was auch andere Installationen und Environments Karavans auszeichnet: geometrische Abstraktion, Reaktion auf die Umgebung durch Form und Material, raumgreifende, die Grenzen zwischen dem Werk und seiner Umgebung auflösende Gestaltung, die bei aller Größe das Monumentale meidet und auf ein menschliches Maß achtet. In seinem Gespür für die Wirkung von Räumen auf den Menschen und den Einfluss von Figuren auf die Raumwirkung ist der Bühnenbildner zu spüren, der Karavan nach dem Studium der Zeichenkunst und Malerei an der Bezalel-Akademie in Jerusalem und später in Florenz und Paris bis in die Mitte der Siebzigerjahre hinein in erster Linie war.

          Straße der Menschenrechte am Germanischen Nationalmusem von Dani Karavan
          Straße der Menschenrechte am Germanischen Nationalmusem von Dani Karavan : Bild: Picture-Alliance

          Zu beobachten ist das an seinem Mahnmal für die von den Nationalsozialisten ermordeten Sinti und Roma am Reichstag in Berlin. Dessen Kern bildet ein kreisrundes Wasserbecken; in seinem dunklen Wasser spiegeln sich Betrachter, Bäume und das Reichstagsgebäude. Inszeniert als Idyll im Großstadttrubel, setzt das Mahnmal darauf, den zufälligen Passanten ins Gedenken an die Zusammenhänge von Natur, Mensch und Geschichte hineinzuziehen. Wie oft in seinem Werk, tritt die Schrift als Gestaltungselement hinzu. In den Rand des Beckens ist das Gedicht „Auschwitz“ des Rom-Musikers und Triester Professors Santino Spinelli eingemeißelt: „Ein zerrissenes Herz / ohne Atem / ohne Worte / keine Tränen“. Der Macht des Wortes gilt auch die „Straße der Menschenrechte“, eine Kolonnade von beschrifteten, kapitelllosen Säulen am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, ein Verweis auf die mal aufklärerische, mal totalitäre Inanspruchnahme griechischer Architekturelemente in der Stadt.

          Auch die Installation „Grundgesetz 49“ zwischen den Berliner Abgeordnetenhäusern überführt das geschriebene Wort in die Architektur, auf dass sein Geist in ihr wirke. Karavans vielleicht wichtigstes Werk ist der Gedenkort „Passagen“ im spanischen Portbou. Er erinnert an den dort bestatteten Philosophen Walter Benjamin, der sich auf der Flucht vor den Nationalsozialisten das Leben nahm. Ein Korridor aus rostrotem Cortenstahl führt quer durch den Felsen und öffnet den Blick auf das offene Meer und seine Strudel. Karavan ist am Samstag im Alter von neunzig Jahren in Tel Aviv gestorben.

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