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Basler Antikenmuseum : Wenn die Muse ihr Instrument an den Nagel hängt

Tonlampe mit einer leierspielenden Frau (Rom, erstes Jahrhundert), Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig Bild: Ruedi Habegger

Beim Abschied schweigt die Lyra: Eine Ausstellung im Basler Antikenmuseum widmet sich der Musikpraxis im Altertum ohne viel Hintergrundmusik.

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          Mit Göttern sollte man sich schon deshalb nicht messen, weil sie miserable Verlierer sind. Der Satyr Marsyas jedenfalls, der den Gott Apollon zu einem musikalischen Wettstreit herausfordert, hat von vornherein keine Chance. Den Sieger sollen die Musen küren, die sich im Gefolge Apollons befinden und damit zumindest als befangen gelten können. Als diese aber überraschenderweise doch dem Marsyas zuneigen, wendet Apollo einen weiteren Trick an: Der Satyr spielt auf dem Aulos, der Doppelflöte, während Apollo die Kithara spielt, ein im Arm gehaltenes Saiteninstrument, sodass er den Wettkampf dadurch entscheiden kann, dass er zum Spiel auch noch singt, was dem Aulos-Bläser naturgemäß verwehrt ist.

          Tilman Spreckelsen
          Redakteur im Feuilleton.

          Der Sieger, so war es vereinbart, kann mit dem Verlierer anstellen, was ihm beliebt. Apollo lässt keinen Zweifel daran, was seinem Herausforderer blüht, ein phrygischer Kriegsknecht wartet schon vor dem Wettkampf mit einem langen Messer, um dem Satyr später bei lebendigem Leib die Haut abzuziehen. So zeigt es ein 1887 entdecktes Relief aus Mantineia, das dem Bildhauer Praxiteles zugeschrieben wird und in einem Abguss gerade in Basel zu sehen ist. Es zeigt aber auch einen Musiker, der zwar vor seinem Mörder zurückweicht, nicht aber vor dem bereits entschiedenen Wettstreit. Er wird sein Instrument spielen, auf dem er es durch langes Üben zur Virtuosität gebracht hat, er wird den Musen ein letztes Konzert geben, an das sie noch lange denken werden. Auch wenn es ihn das Leben kostet.

          In Stille und doch bewegend

          Die Ausstellung „Von Harmonie und Ekstase“ im Antikenmuseum Basel geht der Frage nach, welche Rolle Musik in den Kulturen des Altertums spielte und mit welchen Vorstellungen Musikausübung verbunden war. Anders als eine thematisch ähnlich gelagerte Ausstellung, die vor einiger Zeit im Würzburger Martin von Wagner Museum zu sehen war, setzt das Antikenmuseum nicht primär auf die realen Instrumente und deren Klang, obwohl in der Mitte des einzigen, ansonsten nur durch bedruckte Banner unterteilten Raums eine abgeschlossene Klangbox für die akustische Übermittlung von Tonbeispielen errichtet wurde.

          Außerdem zeigen einige Vitrinen antike Instrumenten im Original, etwa eine ägyptische Harfe aus dem 13. Jahrhundert vor Christus oder eine sogar noch ein bis drei Jahrhunderte ältere, ebenfalls ägyptische Laute, deren Korpus auffällig klein ist, sodass ihr Ton womöglich nicht sehr weit geklungen hat. Andere Instrumente – zum Beispiel eine Kithara oder ein Barbitos – werden als Nachbauten von Conrad Steinmann gezeigt, und auch drei Auloi aus Holz und Knochen sind zu sehen.

          Der Schwerpunkt liegt aber auf bildlichen und plastischen Darstellungen von Musikern und ihren Zuhörern. Angeordnet sind die Exponate nicht chronologisch oder geografisch, was sicher in anderer Weise erkenntnisstiftend gewesen wäre, sondern in erster Linie thematisch. Wie begleitet die Musik Menschen der Antike in Leben und Tod, welche Rolle spielt sie in der Liebe, im Kult, im Kampf?

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