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Ausstellung zu Plakatkunst : Die Geburt des Plakats aus dem Geist des Bildes

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Das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg spürt Herkunft und Geschichte der schönsten Straßenkunst nach: Den Affiches an den Litfaßsäulen und Wänden der Städte.

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          Es war ein kluger Schachzug von Thomas J. Barratt, dem Geschäftsführer des Unternehmens Pears Soap in London: In den 1880er Jahren entdeckte er das Gemälde „Bubbles“ des berühmten präraffaelitischen Malers John Everett Millais. Es zeigt einen kleinen Jungen mit einem Schüsselchen Seifenlauge auf dem Schoß, der versonnen einer großen Seifenblase nachschaut. Barratt kaufte das Werk kurzerhand und ließ es auf Anzeigen und Plakate drucken. Allerdings mit einer sehr wesentlichen Veränderung: Er fügte seinen Firmennamen ins Bild und ein Stück Seife mit der Aufschrift „Pears“. So wurde Kunst zugleich Kommerz und „Bubbles“ zu einem der beliebtesten Werbebilder der Zeit. Es dauerte nicht lange, und die Konkurrenz zog nach. Der Seifenhersteller Sunlight Soap warb fortan mit einem Bild des Malers George Dunlop Leslie, das ein Mädchen am Waschtisch zeigt – mit einem Stück Sunlight Soap.

          Beide Grafiken, „Bubbles“ (1886/87) und „Sunlight Soap“ (1887), gehören zum Bestand der etwa 100.000 Blatt umfassenden Plakatsammlung des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg, einer der besten der Welt, wie Jürgen Döring betont. Er ist frisch pensionierter, langjähriger Leiter der Grafik- und Plakatabteilung des Hauses sowie Kurator einer Ausstellung über die Geschichte des Plakats von den Anfängen um 1800 bis in die Gegenwart, die ausschließlich aus der eigenen Sammlung schöpft. „Sunlight-Soap“ kann gleich im ersten Saal betrachtet werden, „Bubbles“ wurde in den Katalog verbannt, weil die Schau mit vierhundert Exponaten schon aus allen Nähten platzte. Die Seifenblätter sind mit ihren recht kleinen Maßen – „Bubbles“ misst nur 22 mal 14,5 Zentimeter – Beispiele früher Plakate, deren Oberflächen so empfindlich waren, dass sie meist nur im Innenraum plaziert und wie Gemälde – was sie in diesem Fall ja sogar waren – betrachtet wurden.

          Die Blüte des modernen Plakats dagegen begann in den 1890er Jahren in Paris. Jules Chéret gilt als sein Erfinder. Er entwickelte die moderne Farblithografie, bei der, anders als bei der vormals angewandten Chromolithografie, nicht mühsam Farbschicht über Farbschicht gedruckt, sondern mit einer Spritztechnik gearbeitet wurde, die das Verfahren vereinfachte und zugleich verfeinerte. Außerdem verband Chéret gekonnt Bild und Text zu einer Einheit und integrierte eine verlockende Schönheit als Eyecatcher.

          Vom Gemälde aufs Plakat gerissen

          Eine Strategie, die sich bis in die Gegenwart erhalten hat, denkt man an den ikonischen Werbespot, in dem Cindy Crawford an einer Tankstelle in Tanktop und Hotpants lässig eine Dose Pepsi schlürft. Chérets Plakat mit einer vollbusigen Tänzerin des „Olympia“ – eines der berühmt-berüchtigten Pariser Amüsierlokale der Belle Époque – sieht aus, als hätte er die Dame direkt von Fragonards „Schaukel“ auf dessen Gemälde von 1767 gerissen, ihr wallendes Kleid um etwas Stoff gekürzt und sie in einen Teich aus Farben der Trikolore geworfen. Man wisse nicht, heißt es im Hamburger Katalog zu Chérets Rokoko-Anleihen, ob seine Frauengestalten „aus einem Tiepolo-Himmel herab oder vom Trottoir aufgestiegen“ seien.

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