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Max Liebermann und das Meer : Grobes Werkzeug und eine Prise Zufall

  • -Aktualisiert am

Max Liebermann ist in der Schau „Max Liebermann und Zeitgenossen“ mit über 30 Werken vertreten. Auf dem Bild: Badende Knaben, um 1899, Öl auf Malkarton, 33 x 41 cm Bild: Museum Westküste

Auf der Insel Föhr sind Werke von Max Liebermann und seinen Zeitgenossen zu sehen. Schon der Weg ins Museum ist ein Erlebnis.

          2 Min.

          Woran denkt man, wenn man an Föhr denkt? Vielleicht: kleine nordfriesische Insel vor der Küste Schleswig-Holsteins, beliebt bei Touristen, Natur, Ruhe, Sandstrände, Fischbrötchen, langweilige Schwester von Sylt. Woran man eher nicht denkt, das ist Hochkultur. Ein Fehler, schließlich steht im Vierhundert-Einwohner-Dorf Alkersum seit einigen Jahren das privat geführte „Museum Kunst der Westküste“.

          Der Besuch beginnt schon in dem Augenblick, in dem die Fähre das Festland verlässt. Auf dem Sonnendeck scheint wieder einmal nicht die Sonne, es ist kühl, windig und nieselig. Das Meer schlägt flache Wellen, auf deren Kanten sich kleine weiße Schaumkronen türmen. Im Kielwasser tänzeln Möwen. Nach rund fünfzig Minuten spuckt das Schiff seine Gäste in der Hafenstadt Wyk aus. Weiter geht es mit dem Rad durch die weite Landschaft, vorbei an sattgrünen Wiesen, weidenden Pferden, wilden Apfelbäumen und reetgedeckten Häusern, mit Sprossenfenstern und rosenberankten Gittern an den Fassaden.

          In Alkersum sieht es so aus, als hätten die Bewohner die Rasen ihrer Vorgärten tatsächlich mit der Schere gekappt. Durch einen unscheinbaren Eingang, einen winzigen Schlitz zwischen zwei Häusern, kommt man schließlich hinein ins „Museum Kunst der Westküste“. An der vorderen Front wurde ein historischer Gasthof wiederaufgebaut, in den schon vor über hundert Jahren Künstler wie Otto Heinrich Engel einkehrten und in dessen zweiter Etage sich jetzt ein Teil der Ausstellungsfläche befindet.

          Variationen entspannter Badeszenen

          2009 wurde der rund dreizehn Millionen teure Bau fertiggestellt. Außer Wechselausstellungen von Gegenwartskünstlern, die während eines Artist-in-Residence-Programms einige Zeit auf Föhr verbringen, wird immer auch eine Auswahl der etwa siebenhundert Werke umfassenden ständigen Sammlung gezeigt, deren Schwerpunkt auf Arbeiten zum Thema Meer und Küste aus den Jahren 1830 bis 1930 liegt.

          Derzeit ist die Schau „Max Liebermann und Zeitgenossen“ zu sehen, mit rund achtzig Bildern unter anderen von Eugène Boudin, Max Beckmann, Emil Nolde und natürlich Liebermann, der mit über 30 Ölbildern, Druckgrafiken und Zeichnungen vertreten ist, darunter Variationen entspannter Badeszenen und kraftvoller Pferdemotive. Für einen überraschenden Déjà-vu-Effekt sorgt das Gemälde „Zwei Reiter am Strand“ aus dem Jahr 1910, das seinem neun Jahre älteren Zwilling zum Verwechseln ähnlich sieht, der zuletzt als Teil der Sammlung Gurlitt einige Bekanntheit erlangte.

          Darunter auch Variationen entspannter Badeszenen: Max Liebermanns Gemälde „Badende Knaben“ entstand 1902. Bilderstrecke
          Darunter auch Variationen entspannter Badeszenen: Max Liebermanns Gemälde „Badende Knaben“ entstand 1902. :

          Die vielen Küstenmotive finden ihre Fortsetzung in den beiden jüngst eröffneten Ausstellungen zeitgenössischer Künstler. Die großformatigen Acryl-Bilder des in Husum geborenen Jochen Hein zeigen das Meer, mal ruhig und durchsetzt von Lichtreflexen, mal aufgewühlt, brodelnd, bedrohlich. Was auf Heins Bildern mit grobem Malwerkzeug und unter Einfluss des Zufalls entsteht - die Farbe wird mit dem Pinsel auf die Leinwand gespritzt -, mutet erstaunlicherweise fast fotografisch an. Die Werke der Ukrainerin Mila Teshaieva dagegen funktionieren umgekehrt: Sie wirken wie Malerei, sind aber Fotografien. Die Künstlerin arbeitet mit der Methode des „Light Painting“, bei der nachts in völliger Dunkelheit während einer sehr langen Belichtungszeit Ausschnitte eines Motivs durch eine Taschenlampe diffus beleuchtet werden. Mit großem Einfühlungsvermögen hat sie so das Leben der Insulaner in den Blick genommen und zeigt auf ihren melancholisch-mystischen Bilder die Insel als fragilen Kosmos.

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