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Museen in der Energiekrise : Nur Steinkunstwerke sind wirklich wetterfest

Als noch kaum jemand vom Wetter sprach: das Grüne Gewölbe in Dresden nach dem Juwelendiebstahl von 2019 Bild: Robert Gommlich

Hundert Millionen Kilowattstunden allein für Ausstellungssäle in Berlin: Wie sollen sich deutsche Museen gegen extreme Temperaturen schützen? Über die internen Priorisierungslisten wollen die Häuser nicht Auskunft geben.

          5 Min.

          Extreme Hitzeperioden im Sommer, die mögliche Einstellung russischer Gaslieferungen und die steigenden Energiepreise machen Unternehmen und Privathaushalten zu schaffen. Doch auch energieintensive Kultureinrichtungen wie Museen sorgen sich vor dem Winter, den Kostenmehrbelastungen und den Auswirkungen des Klimawandels auf ihre Depots und Schauräume. Kulturstaatsministerin Claudia Roth hat kürzlich Museen und Kultureinrichtungen aufgerufen, angesichts steigender Energiepreise und der Situation beim Gas auch ans Energiesparen zu denken. Solche Institutionen hätten „eine Vorbildfunktion“ und müssten dieser Rolle auch in den Bereichen Nachhaltigkeit und Umweltschutz gerecht werden, sagte Roth. Einerseits. Andererseits müssten Museen ihre Ausstellungsstücke klimatisch gut aufbewahren und für zukünftige Generationen erhalten.

          Kevin Hanschke
          Volontär.

          Das erfordert Energie. In vielen Städten gehören Museen zu den Orten mit dem höchsten Energieverbrauch. Beleuchtung und Sicherheitsanlagen fressen Strom. Zudem müssen in den meisten Häusern die Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit streng reguliert werden, um Kulturgüter zu konservieren. Wie weit können Museen also Energie sparen, und wie gehen sie mit der gegenwärtigen Situation um?

          Viele der deutschen Museumsdirektoren sind besorgt. Dennoch haben die meisten Museen Initiativen ergriffen und Pläne entworfen, um der von Roth benannten Verantwortung gerecht zu werden, auch wenn manche Empfehlungen der Kulturstaatsministerin kritisch gesehen werden. Denn die Schwierigkeiten betreffen alle Häuser und Jahreszeiten. Allein die Gluthitze der letzten Wochen ist ein Problem für Museumsbauten, insbesondere für jene, die nach dem Krieg entstanden und sich durch riesige Fensterfronten auszeichnen. Dazu gehört etwa das Frankfurter Museum für Angewandte Kunst, das in den Achtzigerjahren von Richard Meyer entworfen wurde. Matthias Wagner K, der Museumsdirektor, sieht für sein Haus besonders im Sommer schwierige klimatische Bedingungen.

          „Das viele Glas und die offenen Raumstrukturen determinieren uns.“ Die Klimaanlagen seien nicht auf solche Dauersommer mit Temperaturen von über 35 Grad an mehr als einer Woche konzipiert und fielen teilweise aus. Derzeit bilde das Museum Arbeitskreise, um jeden Bereich – Technik, Depot und Archiv sowie alles, was mit Ausstellungen in Zusammenhang steht – auf mögliche Einsparmaßnahmen zu überprüfen. Das beträfe auch die Luftaustauschraten der Klimaanlagen. Aufgrund der schwierigen Architektur wurde schon früh mit Umrüstungsmaßnahmen begonnen. So hat das Haus 2012 die stromintensive Beleuchtungsanlage durch LED-Beleuchtung ersetzt. Doch viel ängstlicher als auf den Sommer blickt das MAK wegen der gegenwärtigen Energiesituation dem Winter entgegen. Das geht allen Museen in Deutschland so.

          Mehr als zwanzig Prozent

          „Ich unterstütze die nun ergriffenen Initiativen, die mit Hochdruck nach energetischen Einsparpotentialen suchen“, sagte Claudia Roth kürzlich. „Auch dem Kulturbereich drohen durch steigende Energiepreise und die knappen Gasreserven schmerzhafte Einschnitte.“ Seitens der Museen heißt es hinter vorgehaltener Hand, es sei eine Herausforderung, in Absprache mit allen Akteuren den richtigen Weg zu finden. Leider habe es nur wenig Austausch mit den betroffenen Institutionen gegeben. Bevor das Kulturstaatsministerium an die Öffentlichkeit gehe, hätte man sich eine interne Diskussion unter allen Kultureinrichtungen gewünscht.

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