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Landesmuseum Mainz : Kaiser, Päpste, Fürsten

Ein Höhepunkt der Ausstellung: Die Manessische Liederhandschrift Bild: Samira Schulz

Stupend kostbar: Die kulturhistorische Ausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ im Landesmuseum Mainz zeigt die Netzwerke mittelalterlicher Kunst und Regentschaft.

          3 Min.

          Ein glattes Gewand aus Seide, kegelförmig aufgespannt und golden schimmernd, raffiniert schlicht und zweifellos kostbar: Die Kasel, der traditionelle Umhang der Geistlichen bei der Messe, ist das erste, das der Besucher sieht, wenn er den Weg durchs Treppenhaus zwischen den beiden Etagen der Ausstellung hinter sich gebracht hat und den neuen Raum betritt.

          Tilman Spreckelsen
          Redakteur im Feuilleton.

          Der Stoff hängt in einer Vitrine, der Geistliche, der ihn einst getragen hat, ist seit mehr als tausend Jahren tot. Dass die schmucklose Kasel aber hier so prominent gezeigt wird, dass man notwendig stockt und sich nach dem Besitzer fragt, ist wohl beabsichtigt. Wer mit der Materie der Ausstellung vertraut ist, wird dann auch beim Namen des betreffenden Bischofs wissend nicken. Wer es nicht ist, der wird sich fragen, was an jenem Willigis so bedeutend war, dass ihn die Kuratoren um Bernd Schneidmüller in der Ausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ derart hervorheben.

          In der Mainzer Ausstellung, die gerade im Landesmuseum eröffnet worden ist und sich der Zeit zwischen etwa 800 bis 1200 nach Christus widmet, geht es um die Frage nach den Grundlagen der Herrschergewalt im Reich Karls des Großen und den Reichen seiner Nachfolger. Es geht um das Machtverhältnis zwischen Kaiser und Kirche, zwischen den Geistlichen untereinander und ebenso den weltlichen Fürsten in Mitteleuropa und ihrem König, der in der Regel auch die Kaiserkrone für sich beanspruchte, ohne diesen Anspruch auch immer durchsetzen zu können.

          Im 14. Jahrhundert zierten Reliefs der Kurfürsten des Reichs ein Kaufhausgebäude in Mainz. Dieses Relief zeigt den Mainzer Erzbischof.
          Im 14. Jahrhundert zierten Reliefs der Kurfürsten des Reichs ein Kaufhausgebäude in Mainz. Dieses Relief zeigt den Mainzer Erzbischof. : Bild: Samira Schulz

          Verflechtungen zwischen Papst und Kaiser

          Grob betrachtet, zeichnen die Kuratoren ein Bild, in dem zunächst der Papst vom Kaiser abhängt, der sich mitunter vehement in die Entscheidung für den einen und gegen den anderen Kandidaten einmischt, der Päpste begünstigt oder gar absetzt, so dass zeitweise mehrere Päpste gleichzeitig regieren, und der sich das Recht herausnimmt, in seinem Herrschaftsbereich die Geistlichen in ihre Ämter zu befördern.

          Später kehren sich die Verhältnisse um, Rom mischt sich ein, wenn es darum geht, einen Kaiser anzuerkennen oder eine Entscheidung zwischen konkurrierenden Prätendenten herbeizuführen. Daneben aber spielen die weltlichen Fürsten eine Rolle, die dem Kaiser gegenüber immer selbstbewusster auftreten und ihn dazu zwingen, mit ihnen den Konsens zu suchen. Zugleich setzen manche Kaiser auf die erstarkenden Städte und verbünden sich mit ihnen gegen weltliche und geistliche Gegner. Und schließlich erhalten auch die Aufsteiger aus der Schicht der Ministerialen wachsenden Einfluss auf die sozialen und politischen Verhältnisse im Reich.

          Die große Adler-/Pfauenfibel, um 1000, ist in der Ausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ zu sehen.
          Die große Adler-/Pfauenfibel, um 1000, ist in der Ausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ zu sehen. : Bild: GDKE, Landesmuseum Mainz

          All das gehört zum Grundwissen über das Mittelalter. Die Entscheidung aber, im Zweifel keine Herrscherbiographie zu schreiben – oder hier: auszustellen –, sondern Abhängigkeitsverhältnisse zu beleuchten, führt auch zu einer entsprechenden Auswahl der Exponate. So zeigt das Landesmuseum (nach einem Prolog mit drei ganz unterschiedlichen Thronen, wie um auf unterschiedliche Herrschaftsformen einzustimmen) in der ersten Station der Ausstellung nicht nur ausführliche Schautafeln zu den materiellen Grundlagen der Herrschaft Karls des Großen, sondern schriftliche Zeugnisse seiner Reformvorhaben, deren Ausführung gar nicht unbedingt auf die Kaiserwürde angewiesen gewesen wäre.

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