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Markus Brüderlin : Sammlung, Zen und hehre Ziele

Dialoge zwischen Architektur und Plastik, ein fernöstlicher Zen-Garten und die erste Retrospektive des Leipziger Erfolgsmalers Neo Rauch: Markus Brüderlin, der neue Direktor im Kunstmuseum Wolfsburg, und seine ersten Pläne.

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          Vom Gründungsdirektor des Kunstmuseums Wolfsburg zwischen 1994 und 2004 international ausgespäht, bezeugen an die dreihundert Arbeiten zeitgenössischer bildender Künstler Geschmack und Kompetenz des Holländers Gijs van Tuyl, der nach mehr als zehnjährigem Wirken für den ästhetischen Horizont der niedersächsischen Autostadt als Direktor des Stedelijk-Museums nach Amsterdam zurückkehrte.

          Camilla Blechen
          Freie Autorin im Feuilleton.

          Zu seinem Nachfolger bestellte das Kuratorium der Kunststiftung Volkswagen den siebenundvierzig Jahre alten Schweizer Kunsthistoriker Markus Brüderlin, der nach dem Studium in Wien 1994 in Wuppertal über „Die Bedeutung des Ornaments für die Kunst des 20.Jahrhunderts“ promoviert wurde. Das Thema seiner Dissertation bildete die Grundlage einer viel beachteten Ausstellung „Ornament und Abstraktion“ in der Fondation Beyeler, die Brüderlin fast zehn Jahre lang als Leitenden Kurator beschäftigte.

          Namen, Zen und Rauch

          Seine letzte Arbeit für das Beyeler-Museum in Riehen bei Basel trägt den Titel „ArchiSkulptur - Dialoge zwischen Architektur und Plastik vom 18.Jahrhundert bis heute“. Die weit ausholende Übersichtsschau, die gegenwärtig in Frank Gehrys Guggenheim-Museum in Bilbao gastiert, wird im kommenden Frühjahr - als erste Ausstellung des neuen Direktors - in Wolfsburg gezeigt. Zuvor aber wird sich Brüderlin auf „Spurensuche“ in der hauseigenen Sammlung begeben und um den Fokus einer frisch restaurierten Installation von Christian Boltanski Arbeiten von Douglas Gordon, Paul Graham, Anselm Kiefer und Luc Tuymans arrangieren.

          Im Herbst soll mit der Fanfare einer Sonderschau „Die erfüllte Leere“ in einem bisher ungenutzten Innenhof des ausstellungstechnisch schwierigen Gebäudes von Peter Schweger ein fernöstlicher Zen-Garten eröffnet werden. Zum Publikumsrenner wie 1998 Andy Warhol, dessen „Factory“ 65.000 Besucher anlockte, dürfte sich ab November die erste Retrospektive des Leipziger Erfolgsmalers Neo Rauch entwickeln, deren Material beim Künstler selbst, seinem Galeristen und dem Sammlerstamm fest gebucht ist.

          Den Kapriolen des Kunstmarktes Paroli bieten

          Natürlich bedarf die harmonisch gewachsene, mit Werkblöcken von Mario Merz, Bruce Nauman, Nam June Paik, Gilbert & George, Panamarenko und Georg Herold gesegnete Kollektion trotz eines gegenüber den Gründerjahren geschrumpften Ankaufsetats der Erweiterung. Wie eine solche aussehen könnte, darüber bewahrt Markus Brüderlin erst einmal Stillschweigen.

          Die Sammlungskomplexe zur Konzeptkunst und zur Minimal art, sollen, so läßt er kurzangebunden wissen, erweitert und aktualisiert werden. Namen will er nicht nennen. Genaueres darüber, wie das Profil der Wolfsburger Sammlung künftig geschärft werden soll, wird man vom Chef eines mit fünfundvierzig Mitarbeitern personell gut ausgestatteten Unternehmens wohl erst erfahren, wenn er die Möglichkeiten einer Sammlung hohen Ranges geprüft hat, den Kapriolen des Kunstmarktes Paroli zu bieten.

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