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Direktorin des Weltmuseums : Die erste Frau an der Spitze des Louvre

  • -Aktualisiert am

Laurence des Cars Ende März 2021 an ihrem bisherigen Arbeitsplatz, vor der ehemaligen Bahnhofsuhr im Musée d’Orsay Bild: AFP

Hoffnungsvoller Beginn und viele Fragen: Was meint „voll und ganz zeitgenössisch“ bei einem Weltmuseum aller Zeiten und wohin steuert Laurence des Cars dieses größte Museum der Welt?

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          Mit Laurence des Cars übernimmt erstmals eine Frau die Leitung des Louvre. Die 54-Jährige wurde am 26. Mai zur neuen Présidente-Directrice des größten Museums der Welt ernannt. Sie tritt ihr auf fünf Jahre befristetes Amt am 1. September an; bis dahin wird sie Seite an Seite mit Jean-Luc Martinez arbeiten. Der scheidende Direktor, der sich glücklos für eine dritte Amtszeit beworben hatte, war in den letzten Monaten unter Beschuss geraten.

          Laurence des Cars’ vordringlichste Aufgabe wird es sein, die unter Martinez zuletzt bis zum Zerreißen gespannten Bande zwischen der Museumsleitung und Mitarbeitern – namentlich den weitgehend entmündigten Konservatoren – wieder auf ein annehmbares, mittleres Maß zwischen Gängelung und Laisser-Faire zu bringen. Ebenso wichtig wird es sein, die Corona-Krise und ihre Folgen zu bewältigen. Mit zu Normalzeiten über siebzig Prozent ausländischen Besuchern ist der Louvre anfälliger als jedes andere französische Museum für Reisebeschränkungen und Reiseangst. Die Einnahmeausfälle seit März 2020 belaufen sich derzeit auf rund neunzig Millionen Euro; sie wurden nur zur Hälfte durch den Staat kompensiert.

          Erschwerter Start: Der Louvre, den Laurence des Cars ab 1. September eigenverantwortlich leitet, am Tag seiner Wiedereröffnung am 19. Mai 2021. Durch Corona entstand dem Haus ein Defizit von neunzig Millionen Euro.
          Erschwerter Start: Der Louvre, den Laurence des Cars ab 1. September eigenverantwortlich leitet, am Tag seiner Wiedereröffnung am 19. Mai 2021. Durch Corona entstand dem Haus ein Defizit von neunzig Millionen Euro. : Bild: EPA

          Was ist zu erwarten?

          Was des Cars am Mittwoch in einem Radiointerview in Aussicht gestellt hat, ist noch recht allgemein: Der Louvre könne „voll und ganz zeitgenössisch sein, er kann sich der Welt von heute öffnen und uns gleichzeitig von der Vergangenheit erzählen, der Gegenwart durch den Glanz der Vergangenheit Relevanz verleihen.“ („Le Louvre peut être pleinement contemporain, il peut s’ouvrir au monde d’aujourd’hui tout en nous parlant du passé, en donnant une pertinence au présent par l’éclat du passé“). Sie wolle künftigen Besuchern die Schwellenangst nehmen und das junge Publikum in den Mittelpunkt stellen – jeder Anwärter auf die Leitung eines Kulturtempels spielt Variationen auf derlei Themen: Es sind die Weisen, die Politiker gern hören. Präziser sind die Ankündigungen, das Museum solle länger am Abend geöffnet bleiben und ein neues Departement für die Kunst von Byzanz und des christlichen Orients erhalten.

          Endlich verspricht des Cars, den Dialog zwischen alter Kunst und heutiger Welt zur Priorität zu machen. Unter Martinez’ Vorgänger, Henri Loyrette, hatten etwa der Maler und Objektkünstler Michelangelo Pistoletto, der Regisseur Patrice Chéreau und der spätere Literaturnobelpreisträger Jean-Marie Gustave Le Clézio „Cartes blanches“ für Veranstaltungsreihen erhalten; Anselm Kiefer und Cy Twombly schufen Auftragswerke für den Palast. Des Cars, die am Musée d’Orsay das Konservatorenhandwerk gelernt hatte, als Loyrette das Musée d´Orsay als Haus für westliche Kunst der Zeit zwischen 1848 und 1914 leitete, hat in dessen Fußstapfen seit 2017 selbst Künstler wie Marlene Dumas, Tracey Emin und Isabella Rossellini eingeladen.

          Überdies hat sie mit Ausstellungen wie „Das schwarze Modell, von Géricault bis Matisse“ im Jahr 2019 das Musée d’Orsay für Gesellschafts- und Zeitfragen geöffnet. Zu diesen zählt auch der Problemkomplex „Raubkunst“. Hier hat des Cars’ das Restitutionsverfahren mitgetragen, dank dem unlängst ein Klimt-Gemälde aus dem Pariser Museum an die Erben der 1942 ermordeten österreichischen Besitzerin zurückgelangen konnte. Endlich vermochte sie bedeutende Schenkungen und Spenden anzuziehen – letztes Jahr etwa einen Scheck eines anonymen Wohltäters aus Amerika in Höhe von zwanzig Millionen Euro, dank dem bis 2026 die Eröffnung eines Bildungszentrums, eines externen Dokumentationszentrums sowie eines neuen, gleich gegenüber dem Museumsbau gelegenen Präsentationsortes für einen Teil der impressionistischen und postimpressionistischen Sammlung möglich sein wird. Am Louvre, wo Martinez viele Mäzene vergrault hatte, dürfte dieses Talent der neuen Leiterin gewiss willkommen sein.

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