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Max-Liebermann-Ausstellung : Entdeckung des Lichts

Das Hessische Landesmuseum Darmstadt zeigt Max Liebermann und seine europäischen Vorbilder. Direkte Vergleiche mit ihnen machen deutlich, dass Liebermann seinen eigenen Stil fand.

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          Als Meisterkoch präsentiert sich Max Liebermann in seinem „Selbstbildnis mit Küchenstillleben“ im Jahr 1873. Lächelnd steht er im Hintergrund, vor ihm auf einem Tisch stapeln sich einheimische Gemüsesorten wie Karotten, Blumenkohl, Rotkohl. Man könne das Bild programmatisch verstehen, sagt dazu Martin Faass, Direktor des Hessischen Landesmuseums Darmstadt, in dem an diesem Mittwoch die große Ausstellung „Ich. Max Liebermann“ eröffnet wird. Als ob Liebermann dem Betrachter sagen wolle: Ich koche mit dem, was mir der Acker gibt, die tollsten Gerichte, ich arbeite mit dem Unspektakulären.

          Katharina Deschka
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mit seinen Gemälden aus jener Zeit, mit den Bildern von einfachen, arbeitenden Menschen eckte Liebermann allerdings an. Man war damals erhabenere Motive gewohnt, als abgezehrte Frauen beim Füllen von Konserven in einem düsteren Raum zu betrachten oder Bauern bei der harten Arbeit auf dem Feld. Den Mut, die akademische Idealisierung der Wirklichkeit hinter sich zu lassen und die Dinge so zu zeigen, wie sie sind, fand Liebermann in der Betrachtung von Künstlern wie dem umjubelten ungarischen Maler Mihály Munkácsy, der im Stil der Schule von Barbizon malte. Munkácsys Gemälde „Charpiezupferinnen“ war es, das Liebermann zum Vorbild für seine „Gänserupferinnen“ nahm. Es war der erste große Erfolg seiner Karriere. In Darmstadt hängt Munkácsys Gemälde „Die letzten Tage eines Verurteilten“(1869) neben Liebermanns „Konservenmacherinnen“ (1880). Und man sieht sehr schön: Liebermanns Interesse an der dunklen Stube Munkácsys, die hinten von einem kleinen Fenster erleuchtet wird, scheint sich in seinem eigenen Gemälde widerzuspiegeln.

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