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Kunstskandal auf japanisch : Wolfgang Beltracchi ist überall

Soeben wurde in Japan das Marie-Laurencin-Museum geschlossen. Ist das Flechtheim-Porträt aus seinem Bestand eine frühe Fälschung des Erfinders der „Sammlung Jägers“?

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          Es ist nur eine lakonische Meldung, die auf der Website des japanischen Marie-Laurencin-Museums steht. Wegen des Besitzerwechsels bei Artland Hotel Tateshina habe das dazugehörige Laurencin-Museum seine Pforten geschlossen, teilt der Direktor des Hauses, Hirohisa Yoshizawa, dort mit. Man danke dem Publikum für die Treue seit der Eröffnung 1983 und freue sich, wenn es die Kunst von Marie Laurencin auch weiterhin liebte. Die Sammlung werde man behalten.

          Niklas Maak
          Redakteur im Feuilleton.

          Aber warum die plötzliche Schließung? Auch bei der New Yorker Galerie Knoedler hieß es im vergangenen Dezember überraschend, man schließe „aus geschäftlichen Gründen“. Ein paar Tage später verklagte der belgische Hedgefonds-Manager Pierre Lagrange die soeben hastig dichtgemachte Galerie auf Schadenersatz über 15 Millionen Dollar - jene Summe, die er 2007 bei der Galerie für ein Gemälde von Jackson Pollock ausgegeben hatte, das sich als Fälschung erwies. Viele dachten spontan an Beltracchi, der vehement bestreitet, damit irgend etwas zu tun zu haben.

          Reduziert auf die Rolle der Partnerin

          Nach über einem Jahr „Fall Beltracchi“ wird man auf eine geradezu verschwörungstheoretische Art und Weise hellhörig, wenn irgendwo plötzlich eine Sammlung schließt. Immerhin soll es weit mehr als die bisher ermittelten Fälschungen geben; es heißt, Beltracchi habe schon viel früher einen blühenden Handel mit erfundenen Meisterwerken betrieben. Und irgendwo müssen diese ja stecken.

          Es liegt also nichts näher, als sich einmal genau das Werkverzeichnis der Künstlerin Marie Laurencin anzuschauen, der das japanische Museum gewidmet war - einer Künstlerin, der in Europa das Schicksal vieler herausragender Malerinnen der klassischen Moderne widerfahren ist: von der Kunstgeschichtsschreibung auf ihre Rolle als Partnerin berühmter Zeitgenossen reduziert und als „Muse“ in die Bedeutungsperipherie der zentralen kunsthistorischen Aufmarschachsen abgeschoben zu werden. Laurencin (1883-1956) studierte erst Porzellanmalerei in Sèvres, dann Malerei an der Académie Humbert; sie war eng mit Picasso und Braque befreundet, hatte eine energische und langanhaltende Liebesaffäre mit Guillaume Apollinaire und eine enge Beziehung mit der amerikanischen Schriftstellerin Natalie Clifford Barney, heiratete aber 1914 den deutschen Maler Otto von Wätjen, weswegen sie im Ersten Weltkrieg nach Spanien ausweichen musste und zeitweilig auch in Düsseldorf lebte, bevor sie sich 1920 trennte und nach Paris zurückging.

          Ein Museum zum Geburtsjubiläum

          Vor allem aber war sie die zentrale Figur einer anderen Avantgarde. Sie veröffentlichte Lyrik unter dem Pseudonym Louise Lalanne und gehörte zu einem Kreis von Künstlern, aus dem später die Kubisten hervorgingen. Doch wo die ihre Motive wie mit der Motorsäge zerlegten, entwickelte Laurencin eine pastose Eleganz, ihre Porträts fielen schlingpflanzenhafter und morgenlichtiger aus, über vielen scheint ein leichter Pastellnebel zu liegen. Sie stellte mit Robert Delaunay in Paris und auf der Armory Show in New York aus und gab mit Francis Picabia die Zeitschrift 391 heraus. Vor allem in Japan wurde Laurencin auf einer Stufe mit Braque und den Malern ihrer Generation gesehen - was nicht nur an ihrer Nähe zu dem damals in Paris ansässigen japanischen Künstler Tsuguharu Foujita, sondern auch daran liegen mag, dass ihre Malerei generell leichter mit der traditionellen japanischen Auffassung von Bildraum, Motivik und Kolorit in Einklang zu bringen ist als mit der Malerei ihrer europäischen Zeitgenossen. Zu ihrem hundertsten Geburtstag wurde in der japanischen Präfektur Nagano ein eigenes Museum zu Laurencins Ehren eröffnet, das mehr als fünfhundert ihrer Arbeiten zeigt. Obwohl es nicht an den touristischen Hauptrouten liegt, zog es Jahr um Jahr viele Besucher an.

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