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Kunstraub und Terror : Die Tempel der Isis

Immer wieder machte der Kunsthandel lukrative Geschäfte mit dem organisierten Verbrechen. Neuerdings kommt die Terrorgruppe IS dazu: Mesopotamien wird ausgeplündert, die Gewinne finanzieren Massaker. Aber wer kauft die ganze Raubkunst?

          7 Min.

          Vor einigen Jahren, lange vor dem Bürgerkrieg, wurden an der Grenze zwischen Syrien und dem Irak auf der syrischen Seite einige sehr aufwendige neue Straßen gebaut. Niemand wusste genau, wohin diese Straßen führen sollten, viele versandeten wenig später einfach wieder - nachdem die Bauarbeiter, kaum dass sie mit der Arbeit begonnen hatten, schon bei den ersten Spatenstichen erstaunliche Funde gemacht hatten: wertvolle Antiken, jahrtausendealte mesopotamische Kunstwerke tauchten aus dem Erdreich auf. In solchen Fällen kommt dann die örtliche Polizei, die Angelegenheit wird dokumentiert, das Fundstück registriert und wenig später dem erfreuten internationalen Antikenhandel präsentiert.

          Niklas Maak
          Redakteur im Feuilleton.

          Schon vor sechs Jahren wunderte man sich bei Interpol in Lyon über die sich eigenartig häufenden Straßenbau- und anderen Zufallsfunde aus Syrien. Dabei ist es nicht unüblich, dass man dort immer wieder erstaunliche Schätze findet: Wie der Irak gehört auch das heutige Syrien zu jenem Land, in dem Babylonier und Assyrer herrschten; jede Erhebung kann einen alten Tempel verbergen.

          Seltsam fand man bei Interpol damals nur die Häufung äußerst schöner Funde in sehr kurzer Zeit auf syrischem Gelände, ein Phänomen, das umso auffälliger war, als man damals erst vor kurzem den Handel mit Antiken aus dem Irak verboten hatte - und plötzlich war es, als seien all die antiken Meisterwerke, die in den Tiefen des mesopotamischen Bodens lagerten, unterirdisch unter der Grenze des Iraks hindurchgewandert, um sich auf syrischer Seite bequem ausgraben zu lassen.

          In Wirklichkeit stammen viele Schätze aus irakischen Museen

          Die internationalen Vorschriften, erklärt uns auf Nachfrage ein Interpol-Mitarbeiter, untersagten damals zwar den Import von nicht genau dokumentierbaren Antiken aus dem Irak, nicht aber aus Syrien - und der Nachweis, dass ein mesopotamisches Objekt aus dem Irak und nicht aus dem zehn Kilometer entfernten syrischen Grenzland stamme, sei praktisch unmöglich. Vieles, was angeblich in Syrien im Boden lag, so war schon damals der Verdacht, stamme in Wirklichkeit aus irakischen Museen, die ihre Bestände selten katalogisiert hatten und nach dem Einmarsch der Amerikaner systematisch geplündert wurden.

          Um das internationale Handelsverbot zu umgehen, hat man die Beute dann einfach auf die syrische Seite gebracht, vergraben und als Fund deklariert, ein damals erfolgreicher Trick, der heute nicht mehr funktioniert, weil inzwischen auch die Ausfuhr von Antiken unklarer Herkunft aus Syrien verboten ist.

          Aber wozu der ganze Aufwand? Der Fall, der gerade die Medien beschäftigt, handelt von einem Streitwagen aus Ton, den das Auktionshaus Gorny & Mosch im Juni dieses Jahres für 3000 Euro versteigert hat. Mehrere Journalisten behaupten, es handele sich dabei wahrscheinlich um einen Fund aus einer illegalen Grabung, das Auktionshaus weist weitreichende Vorwürfe zurück und verweist auf den Einlieferer, der das Objekt für 500 Euro gekauft haben soll.

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