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Herr der Bilder: Gottfried Boehm Bild: Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Kunsthistoriker Gottfried Boehm : Bilder überall

Der Mensch, ein Gestalter seiner Welten: Dem Kunsthistoriker und den Bildern auf den Grund gehendem Philosophen Gottfried Boehm zum achtzigsten Geburtstag.

          2 Min.

          Wenige Kunsthistoriker oder Philosophen können wie der 1942 im Sudetenland geborene Gottfried Boehm von sich behaupten, einen Epochenwandel definiert und geprägt zu haben: Der maßgeblich von Boehm bestimmte „Iconic Turn“, im Deutschen nur sperrig mit „Ikonische Wende“ zu übersetzen, meint nicht nur die Flut von Bildern, die uns seit gut dreißig Jahren in bis dahin nicht gekanntem Ausmaß umspült. Revolutionär war Boehms Versuch einer Definition in der Einleitung zu dem von ihm besorgten Sammelband „Was ist ein Bild?“ von 1994 schon deshalb, weil die eigentliche Bilderschwemme des Internet erst noch über alle hereinbrechen sollte, und anders als der Konkurrent W.J.T. Mitchell mit seinem „Pictorial Turn“ bezog Boehm die anthropologischen Grundlagen der menschlichen Bildgestaltung mit ein: der Mensch als permanent Bilder generierendes Wesen.

          Stefan Trinks
          Redakteur im Feuilleton.

          Der „Iconic Turn“ war auch nicht einfach eine Retourkutsche der Bildwissenschaften auf Richard Rortys „Linguistic Turn“ seit den Sechzigerjahren. Vielmehr untersuchte der an der Hermeneutik Hans-Georg Gadamers (bei dem er 1968 in Philosophie promovierte) und Max Imdahls geschulte Boehm, wie Bilder in allen Bereichen, die Naturwissenschaften eingeschlossen, als Erkenntnis- und Darstellungsmittel involviert sind, womit zugleich die Notwendigkeit entstand, erst einmal philosophisch akkurat zu klären, was nun eigentlich ein Bild sei.

          In den vergangenen Jahren kamen zwei weitere Begriffsfindungen Boehms hinzu, mit denen er international wahrgenommen wurde: Seine Idee der „Ikonischen Differenz“ ermöglicht es, das Spannungsverhältnis zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem, von thematisch Identifizierbarem und unthematisch Metaphorischem genauer zu scheiden und zu analysieren.

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