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„Seasonal Greetings“ in Bregenz : Hexenritte über den Bodensee

  • -Aktualisiert am

Jakob Lena Knebl, Ashley Hans Scheirl und Thomas D. Trummer in Bregenz Bild: Miro Kuzmanovic/Kunsthaus Bregenz

Was ist schon gemütlich: Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl richten sich mit einer Wunderkammer voller Lust und Kitsch in der Krise ein.

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          Am Bodensee sind die Hexen los. Ein grünes Gesicht mit langer Nase funkelt die Passanten von Billboards am Bregenzer Bahnhof an. Die Wiener Künstlerin Jakob Lena Knebl hat sich als „Wicked Witch of the West“ aus dem Filmklassiker „Der Zauberer von Oz“ verkleidet. Gemeinsam mit ihrer Partnerin Ashley Hans Scheirl ist sie im Kunsthaus Bregenz gelandet. Dass es dabei gepfeffert zugeht, legt das Plakat zur Ausstellung „Seasonal Greetings“ nahe: Darauf schiebt Knebl den Besen zum Hinterteil ihrer Frau. Aber der Vorwurf maßloser Geilheit zählte ja seit je zum Repertoire misogyner Hexenattribute.

          Es ist die bisher größte Schau des queeren Duos, das in den vergangenen Jahren viel Erfolg hatte. Ursprünglich sollten die beiden nächsten Sommer Österreichs Pavillon auf der Biennale von Venedig bespielen, aber da das Kunstevent auf 2022 verschoben wurde, kam ihnen der Ausritt nach Vorarlberg gerade recht. Die Transgenderkünstlerin Scheirl, Jahrgang 1956, war mit ihrer Malerei bereits auf der Documenta 14 in Athen und Kassel vertreten. Ihre 1970 geborene Partnerin Knebl erntete 2017 viel Applaus für den Remix, den sie der Sammlung des Wiener Mumok angedeihen ließ. Mit ihrem ebenso selbstironischen wie sinnlichen Zugang zu Identitäts- und Genderfragen konnten sie im vergangenen Jahr auch auf der Biennale von Lyon punkten.

          In Bregenz haben die Künstlerinnen zwei Stockwerke gemeinsam konzipiert und gönnen sich je ein Solo. Ihre schräge Winterschau öffnet Pandoras Büchse zeitgenössischer Plagen: Von der Klimakrise über das Neo-Biedermeier, von Propaganda bis hin zu Biotechnologie reichen die Themen, die in ihren Installationen angesprochen werden. Aber es wäre kaum die Handschrift von Knebl/Scheirl, wenn es dabei nicht lustvoll und doppelbödig zuginge. Mit der für sie typischen Chuzpe torpedieren sie die Grenze zwischen High and Low, mixen Kunst mit Design und Kitsch und verwandeln, ganz en passant, stilistische in gesellschaftskritische Fragen.

          „Wir richten uns in der Krise gemütlich ein“

          Den Auftakt machen Eisschollen aus Styropor, die sich im Erdgeschoss des Kunsthauses um zwei eisblaue Sofas auftürmen. Vintage-Lampen aus sogenanntem Eisglas verströmen diffuses Licht. Die Installation ist eine Art Lounge-Version von Caspar David Friedrichs „Eismeer“-Gemälde. Wir richten uns in der Krise gemütlich ein, so könnte dieses begehbare Environment gelesen werden, egal ob das nun die gescheiterte Hoffnung auf politischen Wandel (wie im Vormärz oder 1968) oder das aktuelle Abschmelzen der Polkappen ist. Von Zeit zu Zeit schneit es sogar: Während in den Bergen Westösterreichs trotz Tourismuslockdown unaufhörlich die Schneekanonen pulvern, spielt hier eine Theaterschneemaschine mit Schaumflöckchen Frau Holle.

          Wie das Bühnenbild eines Märchenstücks kommt das andere Ausstellungskapitel daher, das Knebl und Scheirl zusammen aufschlagen. Dort leuchten der Filzboden, die bemalten Bäume aus Karton und die Hexenskulpturen in jenem Grün, in dem auch die Smaragdstadt des Technicolor-Filmtraums „Der Zauberer von Oz“ erstrahlt. Über den Köpfen fährt der schwarze Schattenriss einer Besenreiterin auf Schienen entlang; dazu erklingt Musik wie aus „Peter und der Wolf“. Die Tannen und das Knusperhäuschen erinnern an Pop-up-Bücher. Die Kleider und Keramikköpfe der beiden großen Hexenfiguren spiegeln wiederum Techniken, die allzu lange als feminine, weniger schätzenswerte Ausdrucksformen galten.

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